Im herbstlichen Nachtisch-Rausch – Kürbis-Panacotta mit Espresso-Pudding

Das mit dem Herbst hatte ich ja bereits thematisiert. Leider setzt selbiger Grenzen, die man selber nicht beeinflussen kann. Allerdings bringt er auch Früchte hervor, die man zwar mittlerweile auch fast das restliche Jahr bekommt, die aber dennoch Ihren klaren Fokus auf dem Herbst haben. Und da ich immer nur Kürbissuppe langweilig finde, habe ich einiges mit einem Kürbis herumprobiert und spannende Speisen gemacht. Das Ding mit dem Panacotta ist zwar nicht meine neueste Erfindung, aber neu ist immerhin die Art&Weise der Zubereitung und es war dann doch eines der eher gelungenen Experimente.

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Wir brauchen (für 4):

  • einen Entsafter (oder ihr macht es manuell wie hier)
  • eine Espresso-Maschine
  • zwei kleine Töpfe
  • 4 Gläser
  • Messer & Brett
  • Löffel

tmp_9422-dsc_0438-498845951Wir brauchen (für 4):

  • einen halben kleinen Kürbis
  • 250 g Sahne
  • 120ml Espresso
  • 1 x 2 EL Zucker & 1 x 1 EL Zucker
  • 3 Blatt Gelantine
  • 1 TL Aga-Aga
  • 1/2 Vanillestange
  • 1 Zweig Rosmarin
  • wer mag Früchte zum Anrichten

Den Kürbis waschen, entkernen und in Stücke schneiden, die Stücke in den Entsafter stecken. Kürbissaft mit der Sahne, ausgekratzter Vanille und dem Rosmarin zusammen in den einen Topf geben und um ca. 1/3 bei mittlerer Hitze reduzieren, dann 2 EL Zucker einrühren, Topf beiseite stellen.

Nun den Espresso im 2. Topf erhitzen, 1 EL Zucker darin auflösen und das Aga-Aga hinzugeben. Espresso schnell auf die 4 Gläser verteilen und einen moment warten, das Aga-Aga wird schnell fest. Nun die Gelantine einweichen und unter die Kürbis-Sahne rühren und diese ebenfalls auf die Gläser verteilen, abkühlen lassen und im Kühlschrank erkalten lassen.

Zum Anrichten kann man die Gläser leicht erwärmen und den Inhalt stürzen, man kann die Panacotta aber auch im Glas servieren. Dazu passen ein paar Früchte, Früchtekompott oder ähnliches. Spannend ist, die komplett unterschiedliche Konsistenz zwischen Gelantine und Aga-Aga gefestigter Masse sowie der süße Kürbisgeschmack mit seiner Note Rosmarin.

 

Direkt auf die Hüfte: Rotwein-Birne mit Cramberry-Juice und Schokoriegel-Kakao-Sahne

tmp_9422-dsc_04631660114988Es ist Winter. Es ist kalt. Vorbei die schönen, warmen Tage des Jahres, an denen wir unbeschwert in guter Verfassung, schlank wie Adonis in kurzer Hose bestes Gemüse in der Außenküche im Paradies bereiten konnten. Was bleibt? Die Aussicht auf den Sommer 2017 und bis dahin frustriertes „bleibt-gleich-auf-der-Hüfte-mir-doch-egal-Frustessen“.

Hauptsache schmeckt.

Dazu kam das die plärrenden Määhtespänz schnörze kame (Kinder mit Fackeln klingeln zwecks Süßigkeitenerhalt singend nach den Umzug) und da noch einiges an Süßigkeiten übrig blieb.

Und zur Abwechslung machte ich also mal wieder einen Nachtisch.

In verdrecktem Zustand zurück bleiben:

  • ein Topf
  • eine hohe Rührschüssel samt Rührgebiet und Sahneschlegeln
  • ein Teller
  • ein Schälmesser
  • ein Löffel
  • Messer & Brett

tmp_9422-dsc_0457-25494798In perfekt zueinanderpassendem Zustand verarbeiten wir (für 4):

  • eine große Birne, möglichst fest
  • 1/2 l Rotwein oder je 1/4l Rotwein & Rosé & 1 Glas für den Koch
  • 250g Sahne
  • 2 kleine Schokoriegel, ideal mit Karamelfüllung
  • 2 handvoll getrocknete Cramberrys
  • 1 EL Kakaogetränke-Pulver
  • 2 EL Zucker
  • 1 TL Stärkepulver
  • 2 Stück Sternanis
  • 1 Stück Zimtkassie (oder Zimtrinde)
  • 1/4 Vaniellestange

tmp_9422-dsc_04651586542665Wir trinken zunächst den W… ääääähh — machen zuerst die Sahnecreme😮. Dazu Kakao und Sahne in der Rührschüssel mischen und die Sahne fast steif schlagen. Die Schokoriegel (auspacken!!!) auf dem Brett in feine Streifen schneiden und fein hacken, zur Sahne geben und alles fertig steif schlagen und kalt stellen (und Schlegel ablecken, schmeckt Bombe und wandert direkt auf die Hüfte – und ein Schluck Wein für den Koch zum Nachspülen in die Kehle).

Nun die Birne schälen, Vierteln und Kerngehäuse herausschneiden. Die Viertel in den Topf geben und im Wein ca. 12-14 Minuten kochen, wenn die Birne vorher weich wird, auch gut, dann ist sie eben früher fertig. Die Birnen-Viertel herausnehmen und auf den Teller beiseite legen.

Den Wein im Topf lassen, Cramberrys, Zucker, Sternanis, aufgeschnittene Vanillestange und Zimt dazu geben und das Ganze um mindestens die Hälfte einreduzieren. Am Ende das Stärkepulver in etwas von dem Sud auflösen und dazu geben, Sternanis, Vanille- und Zimtstange entfernen, umrühren und Juice beiseite stellen.

Zum Anrichten brauchen wir 4 Schälchen. In jedes legen wir ein Birnenviertel, einen guten Löffel vom Juice oben drüber und ein ordentlicher Schlag Hüft-Schoko-Kakao-Sahne daneben.

Guten Appetit und ich hoffe, ihr habt vorher nicht schon zuviel gegessen!

Wein? -> Ja: Rot – oder Rosé tut’s auch.

Auf den Sommer 2017. Prost.

 

währmt Leib und Seele: Schweizer Käsewähe

tmp_1084-dsc_0390-466115082Jetzt möchte ich das hier vermeintlich falsch entworfene Bild des Schweizers als Fertiggericht-Essenden Bergbewohner aber doch wieder zurecht rücken. Ganz einfach weil das natürlich völlig falsch ist, genauso wie die Mär die Schweiz re bergig. Nach vielen lokalen und regionalen Grenzübertritten im Bereich des Hochrheins bei Schaffhausen, die mich unter anderem nach Zürich, Rapperswil und Bern führten, muss ich (vielleicht auch nur dem Herbstwetter geschuldet) nur Obelix zustimmen und bestätigen:

bergdurchAlso liebe Schweizer, ehrlich währt am längsten: Es gibt keine Berge in der Schweiz! Zumindest habe ich keine gesehen.

Dafür gibt es seltsamerweise Bergkäse in allen Variationen und überraschenderweise für unseren Geldbeutel überraschend günstig, reifer Greyzer für 25.-SFR/Kilo oder echten höhlengereiften Emmentaler für gleiches Geld. Während ich also aus der Schweiz zurück mit fast 2kg Käse im Gepäck kehrte fragte ich mich „oh wäh“, was machen wir bloß damit (das Caquelon für das Käsefondue habe ich erst nachher gekauft)?  Eine währhaft ehrliche Schweizer Käsewähe, und die kann ich rmstens empfehlen.

tmp_1084-dsc_03821262506668Wir währschmutzen:

  • wer hat, eine Tarteform
  • eine kleine Schüssel und eine große Schüssel
  • einen Schneebesen
  • eine Käse- und eine Muskatreibe
  • Messer & Brett

tmp_1084-dsc_0384-1427710770Wir errmen:

  • 200g Butter
  • 200g + 1-2 EL Mehl (Typ 550)
  • 1 x 1 Ei und 2x 1 Ei
  • 120g Creme Fraiche
  • 250g Bergkäse (Greyzer, Emmentaler, Gomser, Appenzeller, …)
  • eine Spur Muskat
  • Pepe e Sale

tmp_1084-dsc_0385-920743607Wir fangen an mit dem Teig. Wir machen eigentlich ein klassischer Quiche-Teig, allerdings habe ich beim Kneten darauf geachtet, den Teig immer schichtig zu falten, so das er in etwa Blätterteigartige Strukturen annimmt. Dazu das Mehl mit einem Ei und etwas Wasser in die Schüssel geben, Butter dazu, das ganze leicht einkneten und dann immer weiter falten, ausrollen, falten ausrollen. Ist der Teig zu trocken, etwas mehr Wasser, ist er zu feucht, etwas mehr Mehl dazu. Am Ende den Teig für mindestens 2h abgedeckt kalt stellen.

Den Käse reiben und mit 1-2 EL Mehl vermengen. Die Creme Fraiche mit 2 Eiern verquirlen und mit Muskat, Pfeffer und Salz abschmecken.

Wenn man wie ich in der Ferienwohnungsküche keine Tarteform hat, muß man den Teig halt selber zur Tarte formen. Im Bild rechts oben seht Ihr meine im Durchmesser ca. 25cm breite Ausformung. Wichtig ist, den Boden mit einer Gabel zu durchlöchern und den Teig mindestens 10 Minuten blind vorzubacken, darauf achten, das er nicht zu sehr aufgeht, zur Not zwischendrin nochmal rausholen und nachformen.

tmp_1084-dsc_0388432053195tmp_15152-dsc_03861586542665Anschließend den Käse darauf verteilen und mit der Creme-Fraiche-Ei-Masse übergiessen und für ca. 20 weitere Minuten bei 180° backen, die letzten 5 Minuten Oberhitze einschalten.

Serve hot – dazu passt wunderbar ein frischer Feldsalat und ein badischer Grauer Burgunder. Unserer war vom Winzer Zolg aus Gailingen, ein 2015-er Grauburgunder von der Gailinger Ritterhalde, sehr fein fruchtig, recht säurearm und für faire 6.- Euro so in der Schweiz nicht zu bekommen.

 

alpine Fertiggerichte – wer hat’s erfunden? Der Schweizer!

einzelfondueUnd weiter geht meine Reise in die Gefilde südlich von Bonn aber noch nördlich der Alpen. Nachdem ich nun eine ganze Reise durch die badische Küche und vor Ort auch durch ebendortige Spezialitäten wie geräuchterter Speck, Schwarzwurst oder das badische Schäufele gemacht hatte, geht meine kulinarische Reise „vom Bodensee ins Elsaß“ jetzt weiter in der Schweiz. Allerdings fände ich es tatsächlich mehr als langweilig einfach nur die kulinarischen Schweizer Highlights wie „Berner Röschti“ oder „Chäsifondue“ zu kopieren. Da gibt es bessere Dinge, wie z.B. „Appenzeller Käsenocken„, die ich aber ein andermal vorstellen möchte.

Nein, wir gehen diesmal anders vor. Wir probieren es mit Fertiggerichten, also genau mit dem Relikt überflüssiger industrieller Nahrungsmittelverschwendung, um das ich in aller Regel einen riesen Bogen mache. Machen wir eine Ausnahme, machen wir sie für die Schweiz!

Ich will aber dazu sagen, das dies kein Pamphlet gegen die Schweizer Küche werden soll, aber hier nur das Rezept (m)eines Käsefondues oder Röstis zu posten, wäre eine Anmaßung. Wer Käsefondue und Rösti machen will und nicht weiß wie, soll halt im Netz suchen, es gibt zig Rezepte und Anleitungen.Und ja, ich mag die Schweizer und deren Küche!

tmp_1084-dsc_0335-1401520375Frage: Was gibt der Schweizer Supermarkt her (außer das die Preise auffallend hoch sind)?
Antwort: Käsefondue im Plastikbecher und Berner Rösti in Alu eingeschweißt. Wir kaufen beides (4.- SFR für 200g Käsefondue und überraschend günstige 3,5 .- SFR für 500g Rösti).

Käsefondue:

Das „One Man Käsefondue“ kommt daher im schicken Plastikbecher. An Zutaten ist eigentlich außer Käse (wovon 75% Appenzeller, der Rest ist unspezifiziert), Stärke, Kirschwasser, Weißwein kaum was anderes drin – lediglich die diversen Konservierungsmittel stören, aber die Liste der unbekannten E-Mittelchen ist tatsächlich kurz und hat wenig mit der gemein, die manchmal schon auf der Verpackung herkömmlicher Aufbackbrötchen gedruckt werden muß.

Den Becher soll man in die Mikrowelle oder den Ofen stellen. Hm, da ist doch Plastik hinter der abnehmbaren Kartonverpackung? Ich mache es anders, Kartonage ab, Topf mit Wasser auf den Herd und das Becherchen ins Wasserbad. Nach ca. 15 Minuten ist das Käsefondue im Becher warm und geschmolzen, man hat also ausreichend Zeit Brot in Würfel zu schneiden und sich Gedanken über den Stock, die Peitsche und die Gewichte für den See zu machen.

Geschmacklich hat das Ganze schon was mit Käsefondue gemein, ich würde es insgesamt aber als zu mild mit zu wenig Säure und ohne den wirklich voluminösem Käsegeschmack einschätzen. Dazu kommt, das das Tunken von Brot in einen Plastik-Caquelon wirklich gewöhnungbedürftig und beraubt einem tatsächlich der angenehmen Atmosphäre, die ein echtes Käsefondue nun mal mit sich bringt.

Fazit: Käse selber reiben, Caquelon nehmen!

Rösti:

tmp_1084-dsc_03391639613569500g fertige Kartoffelmasse, ein wenig „E-xxxx“ und Salz und Rapsöl, viel mehr ist nicht drin. Beim betrahcten der Zubereitungsanleitung kommt mir die erste Verwunderung: Man soll das Ganze ohne Fett/Öl in eine Teflonpfanne geben. Hm, ich kenne das so: Gehobelte Kartoffeln in eine heiße Pfanne legen, in der bereits ordentlich erhitztes Öl drin ist und während des Bratens versorgt man das Rösti noch seitlich mit Butrter.

Aber okay, also ohne Öl, ab in die Pfanne, andrücken, formen und braten. Normalerweise würde ich sagen bei einem Rösti 6-8 Minuten pro Seite. Nach 12 Minuten und mehreren vorsichtigen Rüttlern an der Pfanne ergibt sich immer noch kein zusammenhängender Kuchen, das Rösti reißt und von brauner Kruste ist leider auch nichts zu sehen. Ich warte weitere 5-6 Minuten, aber es stellt sich kein erwartetes Verhalten ein.

Also, alles nochmal raus, Öl und Butter in die Pfanne und das Ganze wieder rein. Es wird besser, aber ich finde, das durch das Öl in der Masse kein wirklicher bindender Effekt möglich sein kann, und beim Umdrehversuch gerät das Ganze außer From…. am Ende wird’s ein latent angebratener Kartoffelhaufen, aber mit etwas gutem Appenzeller und schönem geräuchterten Speck schmeckt’s trotzdem.

Fazit: Kartoffeln kochen, Rösti selber machen.

Rinderwahnsinnsragout von der Beinscheibe mit schwäbischen Spatzen

tmp_3022-dsc_0167-1908883988Wir schwäbeln weiter. Oder Baden, ist ja von oben betrachtet eh *fast* dasselbe (ups, Tschuldigung Ihr Badenser).

Die etwas Älteren unter uns werden sich noch gut an die wahnsinnigen englischen Rinder der frühen Neunzehnneunziger erinnern. Aber keine Angst, damit kokettiere ich hier gar nicht. Ich wollte mit dem Titel lediglich herausstellen, wie wahnsinnig gut vermeintlich billiges Fleisch zu schmecken vermag. Die wichtigste Zutat dieses Ragouts, mit der man (ganz unschwäbisch), nicht sparen sollte ist Zeit.

Das sich dabei ganz nebenbei eine Flasche Rotwein, den ich so nicht getrunken hätte, im Ragout verschwinden lassen ließ, ist ein weiterer positiver Aspekt.

Wir benötigen:

  • Zeit (meistens Schmorzeit, aber davon mindestens drei Stunden)

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  • einen Schmortopf und einen großen Kochtopf
  • eine Pfanne
  • einen Mörser
  • eine Schüssel
  • einen Holzlöffel
  • eine Spätzlequetsche
  • ein Sieb
  • ein Schraubverschlußglas
  • Messer & Brett

Ma braucha (Ragout)

  • 3 Rinderbeinscheiben mit Knochen
  • 1 Flasche Rotwein (ich hatte Dornfelder aus dem Barrique)
  • 1 große Mohrrübe
  • 2 Zwiebeln
  • 1/4 Sellerie oder 2 Petersilienwurzeln (oder gemischt)
  • 1/2 Stange Porree
  • 1 Knoblauchzehe
  • 5-6 EL Öl
  • 2 EL süsses Paprikapulver
  • 2 EL Speisestärke & 2 EL Mehl
  • 4-5 Pimentkörner
  • 2 Lorbeerblätter
  • Pepe e Sale

tmp_2009-dsc_0185622341362Ma braucha (Spätzle)

  • 3 Eier
  • 300g Mehl
  • 2 x 1 TL Salz
  • etwas Wasser
  • ca. 50g Butter

Und abdaa. Wir fangen an und waschen, putzen und schneiden das komplette Gemüse in recht kleine Würfel, je kleiner, je mehr Geschmack kriegen wir raus. Das Gemüse ist die Basis für das Ragout und ersetzt die sonst gern genommene Brühe.

tmp_3022-dsc_0164-910878115Das Öl im Schmortopf erhitzen, die Beinscheiben hineinlegen und ordentlich anbraten.Einige Minuten unter umrühren anbraten, dann die Hitze reduzieren und das Fleisch mit Mehl und Paprika mehlieren. Das Gemüse und den geschälten, zerdrückten Knoblauch nun ebenfalls dazu geben, noch etwas anbraten. Dann Hitze hoch und den Wein dazu geben, die Pimentkörner im Mörser zerdrücken und mit Lorbeerblättern, Pfeffer und 1 TL Salz dazu geben, Deckel drauf und schmoren lassen.

Nach etwa 1.5h kann man die Beinscheiben heraus holen und die Knochen vom Fleisch lösen. Dann das Fleisch in Stücke schneiden und wieder dazu geben. Die Knochen ruhig weiter mit schmoren.

tmp_3022-dsc_0191635768536Während wir, nein das Ragout weiter schmort, wenden wir uns den Spätzle zu. Dazu das Mehl mit Eiern, Salz und soviel Wasser verrühren, das Ihr einen sämigen Teig bekommt. Den Teig schlägt man mit dem Holzlöffel, solange bis Blasen entstehen, das ist ein Zeichen, das er gut ist. Teig beiseite stellen, ich finde, wenn er eine halbe Stunde steht, verbessert sich die Konsistenz.

Etwa 15 Minuten bevor die minimale Schmorzeit von 3 Stunden vorbei ist, Speisestärke mit etwas Wasser mischen und in das Ragout rühren. Wenn es nun zu dickflüssig ist, ruhig noch ein wenig Wasser dazu geben.

tmp_3022-dsc_0193-1846696476Den Topf mit viel Wasser auf den Herd stellen, ein TL Salz hinzugeben. Die Pfanne mit der Butter bei schwacher Hitze auf den Herd stellen.

Nun immer ca. 3 EL vom Teig in die Spätzlequetsche geben (Profis kratzen Sie vom Brett) und ins Wasser pressen. Sobald die Spätzle nach oben kommen, fischen wir sie mit dem Netz, äh, Sieb heraus. Das dauert keine Minute. Die Spätzle in die Pfanne geben und so warm halten.

So, nun anrichten. Dazu die Knochen und Lorbeerblätter aus dem Topf nehmen, Spätzle auf einen Teller geben und 2 Löffel Ragout dazu.

tmp_3022-dsc_0195-1368352278Bon Apetit – mit: Rotwein. Schwer, also Corbières, Côte Catalanes, Bordeaux, auch ein Rioja oder was Ihr halt mögt. Nur nicht den barriquierten Dornfelder (PANIK). Den haben wir ja für die Sauce genommen, wo er sich wunderbar macht😉.

Übrigens: Zu viel der Spätzle kann man am nächsten Tag zu Kässpätzle verarbeiten….

 

auf’s Maultäschle: MT gebraten mit Salbei-Zitronenbutter

Denke ich an Schwaben, denke ich an Kehrwoche, den VfB Stuttgart, meinen ehemaligen Lateinlehrer, Spätzle und schlussendlich auch an die schwäbischen Ravioli: Maultaschen.

Und nein, das ist keine Hommage an den ehemaligen Lehrer; der kann bleiben wo der Pfeffer wächst und sich meinetwegen bis an sein Lebensende über den Abstieg seines VfB grämen – ich hoffe nur, das die heutigen Schüler, so es noch welche gibt, beim Abstieg der Schwaben nicht so leiden mussten wie wir damals nach jeder Niederlage, so ein kleines Scheisserle. Aber es geht ja um’s Essen – also, letzte Woche, Rückreise vom Bodensee, Aufenthalt in Stuttgart und beim Gang über den Markt habe ich zwei Maultäschle erworben. Und damit muss doch auch was gänzlich unschwäbisches gehen.

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Man muss kehren:tmp_3974-dsc_02861502001291

  • eine Pfanne
  • Messer & Brett
  • Käsereibe
  • Zestenreisser

Man muss erwerben:

  • 2 Maultäschle
  • 10-12 Salbeiblätter
  • 80g Butter
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 Knoblauchzehe
  • Zesten von 1/2 Zitrone
  • 2 EL Semmelbrösel
  • Pepe e Sale
  • 40g Pekorino (oder Parmesan)

tmp_3974-dsc_0287644578325Die Maultaschen quer in Streifen schneiden. Anschließend in Olivenöl und einem kleinen Stück Butter in der Pfanne bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem wenden etwa 15 Minuten anbraten.

Maultäschlestreifle aus der Pfanne holen, Butter zufügen und die Semmelbrösel etwa 3 Minuten bräunen. Jetzt erst den Salbei, den gehackten Knoblauch und die Maultäschleflädle wieder hinein geben und etwa 2 Minuten alles zusammen bei geringer Hitze schmurgeln. Zitronenzesten mit dem Messer klein hacken, dazu geben, alles durchschwenken und servieren. Pekorino oben drüber reiben.

Und nein, es gibt jetzt keinen Trollinger, Lehmberger oder ein sonstiges schwäbisches Weingewächs dazu – die dürfen die gerne alle selber trinken. Ich hatte einen ehrlichen 2014-er Spätburgunder > Alte Reben < vom Weingut „Michel“ aus Baden, ein Cuveé von 25 jährigen Rebstöcken mit typisch samtigem Spätburgunderbouquet mit einem Hauch von roten Waldfrüchten. Ein schöner Wein auch wenn ich wie immer bei deutschen Rotweinen denke, das man für die stolzen 13 Euro eine echte südfranzösische Granate hätte kaufen können – aber die würde eben nicht zum Maultäschle passen🙂.

Ein Herz für Romana-Salat – mit Saint Marcellin überbacken

Generell mag ich sehr gerne Salat in allen Variationen und dann am liebsten auch den, den man erst von echter Erde befreien muß, man stelle sich das mal vor, ja das gibt es (noch). Allerdings kamen mir dann beim Einkaufen gestern doch diese kleinen Romana-Salatherzen, die vermutlich wirklich nie echte Erde gesehen haben, in die Quere und damit auch die Idee zu dieser Vorspeise. Schmeckt super, auch ganz ohne Erde.

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Das brauchen wir:

  • eine Auflaufform
  • einen Löffel
  • ein Schraubverschlußglas
  • Messer & Brett
  • 2 Teller zum Anrichten

Das brauchen wir auch (für 2):tmp_2009-dsc_0182-57762259

  • zwei Romana Salatherzen
  • ca. 80g St. Marcellin (französischer sehr cremiger Käse)
  • 4 Kirschtomaten und 4 Phisalis zum Anrichten
  • eine kleine Scharlotte
  • 1 TL Dijon-Senf
  • 1 TL Honig
  • 2 EL Walnuß-Essig
  • 3 EL gutes Olivenöl
  • Pepe e Sale

tmp_2009-dsc_0180-1133932146Die Scharlotte in feine Würfel schneiden, zusammen mit Essig, Öl, Senf und Honig im Schraubverschlußglas zu einer Vinaigrette vermischen.

Von den Salatherzen unten den Wurzelstrunk abschneiden, Salate im Ganzen waschen (ihr erinnert euch an die fehlende Erde), die losen Außenblätter beiseite legen – die können wir später zum Anrichten gebrauchen. Danach die Salatherzen längs halbieren und in die Auflaufform legen. Man kann nun die Mitte jeder Hälfte vorsichtig herausheben und ein wenig Käse einfüllen und wieder zumachen. Den Rest des Käses obendrauf verteilen, darüber kommt etwas frisch gemahlenen Pfeffer. Backofen mit Oberhitze bei 220° vorheizen und Salatherzen für etwa 5-6 Minuten kurz gratinieren.

20150830_194524Auf den Tellern die losen Außenblätter mit halbierten Kirschtomaten und je zwei Phisalis anrichten. Sobald die Salatherzen fertig sind, dazu geben und die Vinaigrette darüber verteilen. Heiß servieren.

Dazu passt ein Rosé aus dem Roussillion, ein „Mas Cristine„, der dieses Jahr (2015) noch kräftiger und fruchtiger ausgefallen ist als im letzten Jahr. Leider gibt es den hier nur, wenn man ihn selber mitbringt – nach Auskunft des Winzers gibt es keinen Weinhändler in Deutschland. Und das ist schade!