Ziege diesmal mit Rübe: Carpacchio von der gelben Beete mit Ziegen-Walnuß und Wildkräutersalat

Erst Kraut, dann Rüben und niemals zusammen. An der unumstößlichen Tatsache das jetzt Herbst ist, kann alleine das bei mir mit sommerlicher Frische behaftete Wort Carpacchio nichts mehr ändern. Die Alternative zu Carpacchio wäre übrigens Extremdünnaufgeschnittenes – klingt zwar auch nicht direkt nach Herbst, aber auch nicht wirklich aussprechbar. Wir bleiben beim italienischen Wort, selbst wenn es dieselbe Bedeutung haben sollte. Die gelbe Beete gibt es bei uns im Biomarkt, ich finde sie schmeckt feiner und weniger erdig, wie eine Rote. Und auch die Finger sind nach der Bearbeitung nicht rot, und übrigens auch nicht gelb – die gelbe Beete färbt einfach nicht so brutal wie Ihre rote Verwandte. Von der Ziegen-Walnuss-Creme war einfach von der herbstlichen Walnussziege noch was übrig.

Kochspielzeug:

  • ein kleiner Topf
  • Messer & Brett
  • eine flache Schale mit ebenem Boden
  • ein Schraubverschlussglas
  • Salatschleuder
  • 2 Teelöffel
  • 2 Teller zum anrichten

Kochzeug (für 2):

  • 1 gelbe mittelgroße Beete
  • 2 Zweige Thymian
  • 3-4 EL Walnuss-Essig
  • 2 handvoll Wildkräutersalat
  • 3-4 getrocknete Tomaten, ein paar Stunden in Wasser eingelegt.
  • 2-3 Eßlöffel (Rest einer) Ziegenkäse-Walnuss-Creme, wie das geht, steht hier
  • Saft von 1/2 Orange
  • 2 TL Banyuls-Essig
  • 2 EL sehr gutes Olivenöl
  • 1/2 TL Thymianhonig
  • 1/2 TL grobkörniger Dijon-Senf
  • Fleur de Sel

Die Beete as is in den Topf geben, zu 3/4 mit Wasser bedecken und für ca. 35 Minuten weich kochen. Anschließend in kaltem Wasser abschrecken und einige Minuten abkühlen lassen. Jetzt lässt sich die Schale sehr gut mit den Händen abziehen. Die Rübe anschließend quer oder längs in feine Scheiben von 1-2mm Stärke aufschneiden. Die Scheiben schichten wir in der flachen Schale auf, jede Schicht sollte einige Thymian-Blättchen abbekommen. Am Ende den Walnussessig drüber geben und die Scheiben für mindestens 30 Minuten marinieren, dabei mindestens einmal komplett umdrehen, so das alle Scheiben mal schön im Essig baden.

Den Wildkräutersalat waschen und trocken schleudern und auf den 2 Tellern anrichten. Aus Orangensaft, Öl, Banyuls-Essig, Senf, Honig im Glas eine Vinaigrette aufschlagen und vorsichtig mit Fleur de Sel abschmecken.

Auf jedem Teller 5-7 Scheiben der jetzt gut abgetropften gelben Beete halbkreisförmig anrichten, als Farbtupfer dürfen die Thymian-Blättchen ruhig mitkommen (s. Bild rechts).

Aus dem Ziegen-Walnussmousse mit den beiden Teelöffeln je drei Nüsschen stechen (dazu die Masse auf den einen Teelöffel nehmen und mit dem anderen oben rund formen) und neben dem Salat auf dem Teller anrichten. Die getrockneten Tomaten klein schneiden, über den Salat verteilen und anschließend die Vinaigrette oben drüber geben. Dazu passt perfekt ein Muscat Sec aus der Lage Cote Catalanes, meiner kam von den bereits in früheren Beiträgen zitierten Vignerons des Alberes.

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herbstliche Walnußziege mit Kraut-ohne-Rüben Salätchen

Man kann es kaum leugnen, es wird herbstlich. Beim Blick nach draußen bekommt man mindestens Fernweh wenn nicht direkt das kalte Grausen. Aber bevor wir nun alle in Winterstarre verfallen, hier ein kleiner, bunter Stimmungsaufheller, den man je nach Angebot an Gemüsen oder Salaten auch ganz gut variieren kann. Spannend übrigens, wenn man mal genauer hinschaut, was die Lebensmittelindustrie so meint, was alles in Ziegenfrischkäse gehört. Da schauten mich doch Wörter an wie Guarkernmehl, Verdickungsmittel, Speisegelantine an … ja Leute, geht’s noch so?
Aber es war mal wieder Verlass auf die Franzosen – der Mousse la Chavroux hat nur Ziegenmilch und Salz.

Der eigentliche Clou ist, das jeder Salat ein wenig anders schmeckt. Oben seht Ihr links unten Spitzkohl-Krautsalat, fein geschnittene Feige, Gurkensalat mit Sahne und Rote-Möhren Salat mit Sesamöl. Dazu zwei Brote mit Ziegenfrischkäse-Walnußcreme.

Das brauchen eure Hände zum Stimmungsaufhellen:

  • 4 kleine Schüsseln
  • ein kleiner Topf
  • einen Mörser
  • Sparschäler
  • 2 Teller
  • Messer & Brett

Und das bekommt der Magen (Angaben für 2):

  • Spitzkohl-Krautsalat:
    • 200g Spitzkohl
    • gutes Olivenöl
    • 1 EL Walnußessig
    • 1/4 TL Kümmel
    • Salz
  • Feige:
    • 2 Feigen
    • 1 EL guter Balsamico
  • Gurkensalat
    • 10cm Salatgurke
    • 2 EL Sahne
    • 1/2 EL natives Sonnenblumenöl
    • 1/2 EL Apfelessig
    • 1 EL fein gehackte Petersilie (oder Dill)
    • Pepe e Sale
  • Sesam-Möhrensalat
    • 1 mittelgroße (rote) Möhre
    • 1/2 TL Sesamöl
    • 1 TL Banyuls-Essig
    • 1 EL mildes Olivenöl
    • 1 EL feinst gehackte Petersilie
    • Pepe E Sale
  • Ziegen-Walnußcreme:
    • 70g Walnußkerne
    • 70g Ziegenfrischkäse
    • 1 EL Walnußöl
    • 4 Scheiben Baguette oder Ciabatta

Wir fangen hinten an. Für die Ziegen-Walnußcreme die Walnußkerne im Mörser ganz fein pürieren, wer mag röstet sie vorher noch etwas an. Danach Ziegenfrischkäse, Walnußöl und Nußmus in einer kleinen Schüssel verrühren.

Für den Sesam-Möhrensalat die Möhre schälen und in ganz (!!) feine Scheiben schneiden, maximal 1mm dick. Möhre im Topf ca. 4 Minuten köcheln, mit kalem Wasser abschrecken und in einer Schüssel mit den restlichen Zutaten vermengen.

Beim Gurkensalat schneiden wir die Gurke ebenso fein wie eben die Möhre. Die Scheiben salzen und einige Minuten stehen lassen, anschließend mit der Hand ausdrücken. In einem Schüsselchen Sahne, Öl, Essig und Petersilie verrühren und die Gurkenscheiben unterheben.

Von der Feige schneiden wir oben und unten was ab, den Rest dann auch in feine Scheiben. Auf dem Teller aufschichten und kurz vor dem Servieren etwas Balsamico drüber träufeln.

Für den Spitzkohl-Krautsalat den Kohl in ganz super feine Streifen schneiden, in eine Schüssel geben, salzen und walken, also mit den Händen das Salz einmassieren. Anschließend Essig, Öl und Kümmel dazu geben, umrühren und mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen.

Zum Servieren je zwei Ciabatta oder Baguette-Scheiben dick mit der Walnußcreme bestreichen, die Salate auf den Tellern anrichten und Brotscheiben anlegen.

Ich finde, das dazu ein trockener Riesling, zum Beispiel ein 2015-er Domherr vom Weingut Reuscher-Haart aus Piesport überragend passt. Die großartige Mineralität kommt gut mit dem Salat und auch der Ziege klar.

Gastbeitrag weitergedacht …. Orange mit Mozzarella als Vorspeise

Ist das ein Bestreben das wir Menschen seit je her inne haben ? Immer wollen wir alles verbessern, das neue Rad erfinden und  manchmal wird dabei Altes nur in neue Gewänder gekleidet – A propos: Ich bekenne mich hiermit ausdrücklich zu jenen 87%, die nicht das Alte im neuen Gewand gewählt haben. Und an dieser Stelle möchte ich eines klar stellen: Solltest du, der das hier gerade liest (also der oder die Leser/in) eine/r jener restlichen 13% sein und zufällig über dieses Rezept stolpern: Klick weiter, geh weg, das hier ist nicht für dich! Es ist auch nicht(s) für dich, denn es ist was Neues, vielleicht modernes, es ist nicht rückwärts gewandt und es ist für alle Menschen aus allen Ländern, gleich welcher Herkunft, Hautfarbe oder Farbe ihres Hemdes. Es ist aber ausdrücklich nicht für dich, nicht für all die, die Intoleranz, Phobie und Spaltung unter dem Deckmantel der Demokratie verkaufen, es ist kurz gesagt: Alleine für Dich nicht

Aber jetzt bin ich abgedriftet. Das Rezept ist eigentlich dieses hier reloaded.

Benutzt wird:

  • Messer & Brett
  • 2 Teller zum Anrichten

Verputzt wird (für 2):

  • 1 Orange
  • 1 echter Büffelmozzarella
  • 4-5 getrocknete Aprikosen
  • 4-5 Physalis (Kap-Beeren)
  • 1 TL guter Weinessig
  • 1 TL Zitronensaft
  • 3 EL sehr gutes Olivenöl
  • Pfeffer & Fleur de Sel
  • ein wenig Basilikum zum Anrichten

Die Orange mit dem Messer schälen und quer in 8-10 Scheiben schneiden, die Scheiben auf den Tellern anrichten. Den Mozarella zerpflücken oder in Stücke schneiden und drum herum verteilen. Physalis halbieren, Aprikosen würfeln und beides darüber stilvoll verteilen. Aus Olivenöl, Essig und Zitronensaft eine Sauce mischen und darüber verteilen, mit frisch gemahlenem Pfeffer und Fleur de Sel bestreuen, mit Basilikum garnieren – und fertig. Dazu passt ein schöner frischer Sauvignon Blanc.

Wenn du auf Partys auffallen willst: Mach ne‘ Angeberplatte (Gemüse in Orangen-Vinaigrette mit Flank-Beef und Orangen-Tahini)

„Was wünscht Ihr euch denn?“ – eine oft gestellte Frage, die meist unweigerlich nach der ausgesprochenen Einladung zur Party des Jahres folgt. Die von mir favorisierte Antwort des/der Befragten und Einladenden ist immer noch „Bring was für’s Buffet mit“. »YES!« Dumm dann, wenn der große Tag der Party gekommen ist und man nicht wirklich eine Idee entwickelt hat, was man denn nun mitbringen will. So geschehen letzten Samstag, ein Blick in den Kühlschrank offenbarte immer noch grüne Bohnen von meinem Freund in der grünen Jacke, eine latent nicht mehr ganz frische Bio-Orange, ein halbes Flank, das ich zwei Tage zuvor gegrillt hatte und je eine Zucchini und Aubergine. Und es war noch Zeit zum Einkaufen! Herausgekommen ist die Angeberplatte….

Alors, dann mal schauen, was wir alles brauchen:

  • eine Servierplatte zum Belegen
  • zwei große Schüsseln
  • eine kleine Schüssel
  • unseren Gasgrill samt Grillzange
  • einen Topf
  • ein Schälmesser
  • ein Zestenreisser
  • 2 Löffel
  • Messer & Brett

Donc an Zutaten brauchen wir diese alle:

  • 300g kaltes, rosa gegrilltes Flank
  • 1 Orange
  • 1 EL Tahina
  • 1 TL Zitronensaft
  • 1 Aubergine
  • 1 Zucchini
  • 6-8 kleine Möhrchen
  • 2 handvoll grüne Bohnen
  • 1 Fenchelknolle
  • je 1 gelbe, orange und rote Paprika
  • 1 handvoll grob gehackte Basilikum-Blätter
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 große Scharlotte
  • 8 EL gutes Olivenöl, normales zum Braten & Grillen
  • 4 EL Banyuls (oder anderen Wein-)Essig
  • 2 TL Thymian-Honig
  • Salz (Fleur de Sel)
    wer mag zum Garnieren:
  • einige gezupfte Salatblätter
  • eine handvoll Phyalis

Et Voila – los geht’s. Zunächst einmal würfeln wir die Scharlotte und die kleinere der Knoblauchzehen. Mit dem Zestenreisser ziehen wir die Schale der Orange ab und hacken diese anschließend ganz fein. Knoblauch, Scharlottenwürfel und Orangenzesten-Stücke werden dann mit Honig, dem guten Olivenöl, dem Essig und dem Saft einer per Hand ausgepressten Orangenhälfte in einer der Schüsseln verquirlt – fertig ist unsere Marinade.

Danach Aubergine und Zucchini quer in je drei etwa 5-7 cm lange Stücke schneiden und dann längs achteln. Die Stücke mit der zweiten grob gehackten Knoblauchzehe, reichlich Olivenöl und etwas Salz in der anderen Schüssel vermengen. Von den Paprika-Schoten den Boden gerade abschneiden, jetzt steht die Paprika gut und man kann seitlich schöne „Filets“ um Strunk und Inneres herausschneiden. Die Paprika-Stücke geben wir zu den Zucchini und Auberginen.

Die Karotten schälen und längs halbieren, bei den Bohnen die Enden abschneiden, beides zusammen im Topf 5-6 Minuten bißfest kochen und dann mit kaltem Wasser abschrecken. Nach gutem Abtropfen in die Marinade geben. Jetzt nehmen wir uns den Fenchel vor: Dazu das Grüne oben ab- und die Wurzel unten keilförmig herausschneiden, den Fenchel in ganz feine Streifen schneiden und in der Schüssel mit Bohnen, Karotten & Marinade vermengen. Das Ganze lassen wir für mindestens eine Stunde bei gelegentlichem Umwälzen marinieren.

Jetzt noch Paprika, Aubergine und Zucchini auf dem Gasgrill braten, genau so als würde man klassische Antipasti machen. Nach dem Braten die Haut der Paprika abziehen, nur die Paprika in Streifen schneiden und zum anderen marinierten Gemüse geben. Zucchini und Aubergine kommen gleich obendrauf.

Das Fleisch dünn aufschneiden. In der kleinen Schüssel Saft von der 2. Orangenhälfte mit Tahina und etwas Wasser vermengen, so das eine homogene Sauce entsteht, mit etwas Salz und Zitronensaft abschmecken.

Auf einer Servierplatte zuerst das Fleisch (wer das extra noch Zubereiten muss, guckt hier, geht aber auch rein vegetarisch) in der Mitte aufschichten, wer mag kann außen drumherum noch einen Kranz aus grünen Salatblättern (o.ä.) legen. Um das Fleisch herum das marinierte Gemüse drapieren und obenauf Zucchini und Auberginen-Stücke verteilen. Das Fleisch mit der Tahini-Sauce beträufeln und ganz zum Schluss die Basilikum-Blätter und – falls zur Hand – Phyalis darüber verteilen.

Fertig. Wer das Ganze jetzt noch einigermaßen unbeschadet zur Party bringt, kriegt bestimmt auch ein Bier 😉

Zur Wintervorbereitung: Tomatensugo einkochen oder ‚Gemüsehandel in meiner Stammkneipe‘

Im Leben gibt es so Erfahrungen, die machen wohl eher weniger Leute. Gut, so manche erlebte Erfahrung will man gar nicht haben, aber es gibt auch ein paar der etwas kurioseren Art, die als Geschichte erzählt werden wollen. Und das kam so….

Am Mittwoch Abend habe ich mich auf in meine Stammkneipe, das Bonner namenlos gemacht um den Champions-League Auftakt live zu erleben (über das Ergebnis will ich nicht reden). Nach dem Spiel gegen halb Zwölf Abends stand ich dann mit einem Freund draußen vor der Tür als ein Mann, etwa Mitte/ende 40 mit grünem Kittel an uns vorbei ins Innere strebte. Kurioserweise hatte er einen Kiste mit Gemüse unter dem Arm. Interessiert nach drinnen folgend hörte ich, wie der Grünkittel Marco, meinem Lieblingswirt, Tomaten anbot. Nach der Feststellung das es ja „nur“ zwei Kilo sind, winkte Marco ab, „Nee, für 2 Kilo koch ich kein Sugo, das ist mir zu wenig„. „Zeig mal her“ hörte ich mich sagen. Und schon eine Minute später war ich Eigentümer seiner wunderschönen Tomaten. Dabei waren Exemplare verschiedenster Sorten, unter anderem war mein südfranzösischer Liebling mit Eigennamen „Zipfeltomate“. Allerdings hatten die Tomaten sicher schon frischere Tage erlebt, mehr als Sugo ließ sich damit tatsächlich nicht mehr machen.

Der grün Bekittelte stellte sich als Bio-Bauer aus der Umgebung heraus – und nebenbei als findiger Geschäftsmann: Mit zwei Kilo Tomaten, einem knappen Kilo Buschbohnen, 2 Sellerie-Knollen samt grün und einigen Porree-Stangen zog ich anschließend nach Hause….

Also war gestern Tomatensugo-Kochen angesagt. Da auch mir die 2 Kilo etwas wenig erschienen, habe ich kurzerhand nochmal 2 Kilo geschmackvolle Tomaten beim Bioladen nachgekauft. Alle zusammen habe ich klein geschnitten und in einem Topf ohne Öl bei mittlerer Hitze einköcheln lassen. Zwischendurch habe ich 2 Teelöffel Zucker und 1 TL Salz dazu gegeben. Nach etwa einer Stunde köcheln habe ich für etwa eine Minute den Pürierstab reingehalten und fertig war die Laube, äh, das Sugo.

Sehr gut das im Keller immer eine ganze Sammlung an leeren Gläsern samt Deckel herumsteht. Acht Stück davon habe ich kurzerhand mit kochendem Wasser desinfiziert und mit dem Tomatensugo gefüllt. Die Gläser muss man dann heiß verschließen und ein paar Minuten auf den Kopf stellen. Und so kann ich nun auch im aufziehenden Winter den Geschmack von sonnengereiften Tomaten genießen – und das Beste ist: ich weiß genau, was drin ist – und auch was nicht :-).

 

Katalanische Hackfleischbällchen in Tomatensauce gewürzt mit Wildfenchel und Pastis

Montag morgen, es regnet. Sehnsüchtig richtet sich mein Blick nach innen auf die bei bestem Sommer-Wetter im August verlebten Tage im Paradies. Und das sind ja erst die herbstlichen Vorboten, das wird ja noch viel schlimmer. Gut, das da noch ein paar Photo s sind, die, wenn man sie wirklich auf sich wirken lässt zu deutlicher Aufbesserung der Laune führen. Ein Tisch voller Tapas, und was war das noch alles? Bohnensalat mit Melone, Aioli, gebratene Garnelen, Patatas bravas, Escalivade des Legumes  und eben auch katalanische Fleischbällchen gewürzt mit wildem Fenchel. Der wächst dort unten an jedem Straßenrand mit seinen gelben Blüten mannshoch wuchernd gut zu erkennen.

Federführend ist auch hier natürlich die Tatsache, das die Tomaten einfach göttlich sind. So brauchen wir keine Dosenware oder vorpassierte Pampe von Früchten, die wir niemals spüren, riechen, fühlen werden können. Obwohl das natürlich auch ganz gut geht. Ich habe das einfach erhältliche Wurstbrät statt Hackfleisch verwendet, wenn man aber grobes Schweinehackfleisch nimmt und es mit Knoblauch, Salz und Petersilie würzt, sollte es auch gehen

Estris de cuina

  • eine hohe Pfanne samt Pfannenwender
  • einen Grill samt Grillzange
  • eine Schüssel
  • ein Teler
  • Messer & Brett

Ingredients

  • 500g Wurstbrät von katalanischer Wurst (oder Hackfleisch gewürzt mit Petersilie und Knoblauch)
  • 1 Ei
  • 100g altes Baguette
  • 0.2l Milch
  • etwas Mehl
  • 800g verschiedene frische Tomaten (oder eine entsprechende Menge passierte Tomaten)
  • 1 (rote) Zwiebel
  • 1 Karotte
  • 2x 2 Zehen Knoblauch
  • 1 EL eingesalzene Kapern
  • 1 (kleines) Bund Petersilie
  • 50g wilde Fenchelblüten (oder das Grüne vom hier erhältlichen)
  • 0.1l Pastis
  • 6-8 EL Olivenöl
  • Sal i Pebre (kattalanisch für Salz und Pfeffer)

Damit diese Tapa wirklich gut wird, sollte man ruhig 2 Stunden Zeit einplanen, auch wenn man keinen zwischenzeitlichen Sprung in den Pool einplanen kann (z.B. mangels Pool).

Wir fangen an und weichen zuerst das Baguette in der Milch ein. Dazu das Brot in kleine Stücke brechen und in der Schüssel mit der Milch übergießen. Für die Sauce schneiden wir Karotte, Zwiebel, die Stängel der Petersilie und den Knoblauch klein und stellen die Pfanne mit 6 EL Olivenöl auf. Das Gemüse jetzt darin bei mittlerer Hitze einige Minuten anschwitzen und währenddessen die Tomaten würfeln. Auch hier gilt – wer es gründlich macht, häutet sie vorher, man kann die Schalen auch später aus dem Sud herausfischen. Die geschnittenen Tomaten stellen wir aber erst mal beiseite und kümmern uns um Würze und Pfiff der Sauce: Dazu die Fenchelblüten fein hacken und zum Gemüse geben und umrühren. Die Hitze höher stellen und nach weiteren 2-3 Minuten das Gemüse mit dem Pastis ablöschen, ordentlich umrühren und jetzt erst die  Tomaten hinzugeben.

Das Ganze sollte jetzt für mindestens eine Stunde leicht vor sich hin köcheln, dabei können wir auch jetzt mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Für die Hackbällchen das Baguette nun leicht ausrücken und die überschüssige Milch wegschütten. Die Kapern gründlich wässern um das Salz abzuwaschen, dann mit Knoblauch und Petersilien-Blättern fein hacken und zusammen mit dem Wurstbrät, Ei und Brot  in der Schüssel zu einer Masse vermengen. Wenn die Masse zu weich ist, noch etwas Mehl oder Brot (oder Semmelbrösel) hinzufügen. Alles noch mit Pfeffer und – ganz vorsichtig mit Salz,  denkt an die Kapern – abschmecken. Aus der Masse kleine Bällchen von ca. 5cm Durchmesser formen und auf einen mit Mehl bestäubten Teller legen. Den Grill anheizen (oder wir nehmen den Gasgrill) und die Fleischbällchen rundherum grillen, dabei reicht es, wenn sie außen schön braun sind. Da die Bällchen nach dem Grillen ohnehin noch für etwa eine halbe Stunde in der Tomatensauce mitköcheln,  müssen sie jetzt noch nicht durchgegart sein.

Das ganze kann man in einer Schüssel lauwarm auf den Tapas-Tisch stellen, geht aber auch als volle Mahlzeit, z.B. mit Reis, durch. An Wein passt ein kräftiger Rosé, ein frischer Roter, oder ein im Holzfaß ausgebauter Weißwein wie der La Mandorie blanche von den Vignerons des Albéres.
Oder einfach einen Pastis mit Eiswürfeln 😉 ….

kalte Sommerküche, die II. : Cavallion-Melonen-Tomatensuppe mit Basilikum

Vermutlich kommt das Rezept ein wenig spät, denn bis vorgestern war es auch hier noch sehr heiß und bei so einem Wetter schmecken – mir zumindest – kalte Vorspeisen am besten. Allerdings braucht man für diese kalte, an die katalanische Melonen-Suppe angelehnte Vorspeise eine wirklich gutschmeckende, reife Cavaillon-Melone. Cavaillon ist der Melonenort der Provence, eigentlich handelt es sich um die Charentais-Melone, eine Form der Cantaloupe-Melone mit frischem, saftigem und süßen orangefarbigem Fruchtfleisch – meine Liebliengsmelone. Das man die zufällig in herausragender Qualität im Paradies kaufen kann, muss ich vermutlich nicht erwähnen….

Brauchen wir (für 4):

  • Messer & Brett
  • eine hohe Schüssel
  • einen Topf
  • einen Eßlöffel
  • einen Pürierstab
  • 4 Holzspiesse und 4 Gläser

Pürieren wir:

  • 1 Cavaillon-Melone
  • 2 Tomaten aus dem Paradies
  • 2 EL gehackte Petersilie
  • 2 EL Basilikum
  • 1/2 rote Paprika
  • einige Spritzer Zitronensaft
  • 2 EL gutes Olivenöl
  • Pepe e Sale
  • 4 (dünne!) Scheiben guter Schinken

Den Topf mit Wasser füllen und zum Kochen bringen, Tomaten kreuzförmig einritzen und kurz für etwa eine Minute im Wasser blanchieren, mit kaltem Wasser abschrecken und anschließend die Haut abziehen, Strunk herausschneiden und Tomaten grob würfeln.

Die Melone halbieren und mit dem Eßlöffel die Kerne herausschaben. 4/5 der Melone von der Schale befreien und ebenfalls grob würfeln. Paprika ebenfalls grob klein schneiden. Das gewürfelte Obst und Gemüse mit Petersilie, Basilikum und Olivenöl in die hohe Schüssel geben und ganz fein pürieren, mit Zitronensaft, Pfeffer und Fleur de Sel abschmecken und anschließend kalt stellen. (Die Katalanen geben in die Suppe übrigen in etwa soviel Olivenöl wie Melonenpürree…)

Die restliche Melone von der Schale befreien und ebenfalls in ca. 2-3 cm große Würfel schneiden, die Stücke auf die Holzspieße stecken und mit je einer Scheibe Schinken umwickeln. Zum Servieren die kalte Suppe in 4 Gläser verteilen, etwas Petersilie drüber drapieren und je einen der Melonenspieße obenauf legen.

Diese Suppe schreit geradezu nach einem Muscat Sec von den Côtes Catalanes, wir hatten einen von les Vignerons des Albères. Fruchtig, leicht und frisch mit Zitronen- und Apfelaromen, die vom typischen Muscat-Geschmack überlagert werden. Aber vorsicht – nicht zu schnell trinken – es ist ja erst die Vorspeise!