Afrika pur – ein kleiner Zwischenbericht

<skip> 2 Wochen in Namibia, zu dieser Traumreise vielleicht später einmal ein Bericht</skip>

Sonntag morgen, der Wecker klingelt früh, ich bin allerdings schon früher wach, den Kopf voll von den vergangenen und kommenden Tagen. Aufstehen heisst es in Windhoek, schnell wachwerden, alle drei parat machen, ein letztes Mal die 6m lange Riesenkarre (Ford Ranger) beladen und in aller Dunkelheit geht es gegen halb sechs los, die 40km in Richtung Flughafen. Auto abgeben, Maggie und Johannes einchecken und ein trauriger Abschied folgen. Das Ende von tollen 2 Wochen, aber gleichzeitig der Start von 2 weiteren Wochen, Abenteuer und Konferenz, oder beides. Wird es die beste oder die schlechteste aller Zeiten?

Sie begann jedenfalls mit 6.5 Stunden abhängen am Flughafen in Windhoek, dann ging es los mit einer kleinen Embraer, Fensterplatz nach Victoria Falls, Zimbabwe. Wie lange hatte ich in meinem Leben den Traum die Victoria Falls zu sehen? Ich kann mich nicht erinnern, aber als ich dann am Morgen, nach sehr frühem Aufstehen (6h !) tatsächlich davor stand, war ich einfach überwältigt. Und alleine, der frühe Vogel und so, naja. Vermutlich hat jeder Bilder oder Filme über die Falls gesehen, aber davor zu stehen, den Lärm der Massen an Wasser zu hören, die Gischt zu spüren (Regenjacke anziehen!) und gleichzeitig das Gefühl zu haben, man könnte über die Schlucht rüber ins herabstürzende Wasser greifen, weil es so nah erscheint, toppt alles an Naturwundern, was ich bisher in meinem „jungen“ Leben gesehen habe.

Praktisch geht man die Hauptstraße im Städtchen Victoria Falls 1 km herunter, zahlt seinen 30$ Tribut und steht nach wenigen Minuten auf der anderen Seite der Schlucht vor dem ersten kleineren „Devils Fall“, danach kommen die Main Falls auf einer Breite von einigen hundert Metern und 93m Fallhöhe, dann die Horse-Falls, die wirklich so aussehen, als wären es Pferdeschwänze. Danach dann die habichvergessenaber photographiert-Fälle, die sogar 103m herabstürzen. Den letzten Teil sieht man nur von der sambischen Seite, da ein Keil Sambia der Zickzack-Schlucht nach Zimbabwe hereinragt, die aber faktisch unüberwindlich ist. Entweder durch Schlucht, oder durch die sambischen Grenzbehörden. Aber dazu später mehr.

Ich hab’s mir nämlich dann noch komplett gegeben, Nachmittags stand eine Bootstour auf dem Sambesi an. Hippos und Krokodile garantiert, vielleicht auch Elefanten wurde versprochen. Und – ich nehms vorweg – gehalten. Auf dem Touriboot mit freien Getränken ging es los, ich saß in der 1,5-Reihe vorne, die beiden Päärchen vor mir verkuschelten sich zum Glück zur Seite. Genauso breit wie die Falls, 1.7 km, wo der Sambesi ca. 2km weiter püber die Basaltklippe stürzt, war er auch. Mit Inseln und eher wie ein See, da man absolut keine Strömung bemerken konnte, Das mit den TIerchen war für den Bootsführer recht einfach, denn der musste nur dahin fahren, wo ein anderes Boot in Ufernähe stand und schon gab es nach wenigen Minuten die ersten Hippos. Übrigens die nach Zählung der getöteten Menschen die gefährlichsten Tiere des Kontinents. Sehen konnte man allerdings nur den halben Kopf, da die Viecher am Ufer auf dem Grund stehen und immer mal wieder rausgucken (müssen). Und da kam auch direkt der Elefant, der wohl rüber zu einer Insel geschwommen ist um dort Palmen zu schütteln. Bah wer jetzt was unanständiges denkt, der schüttelt die Bäume und frisst die herunterfallenden Früchte. Wahnsinnsanblick – und versucht mal gegen eine ca. 50cm im Stammdurchmesser 40m hohe Palme zu treten, ihr werdet verhungern.

Danach sahen wir dann auch den Kameraden, den Ihr oben im Bild seht, Regungslos am Ufer liegend und eigentlich nur durch die wesentlich größeren Spuren rechts von ihm war zu erkennen, dass es hier auch wirklich große Kameraden gibt. Der auf dem Bild ist nur ca. 1m lang, aber es ist alles dran, was so ein Tier braucht – also sein Maul. Wenn er Glück hat, wird er groß und nicht vorher von seinen Artgenossen vertilgt.

Der versprochene Sonnenuntergang war dann auch nicht zu verachten, eigentlich unglaublich, dass ein so dermaßen geschundenes Land so Schönes zu bieten hat, weit weg von der Not der Menschen und den korrupten Politikern in Harare, die das Land ausgeraubt haben, bis vor 5 Jahren die eigene Währung zusammenbrach. Zwischendurch war ich noch im Supermarkt Proviant einkaufen für die am nächsten Tag folgende Busfahrt nach Lusaka, wo ich aktuell in einer Insel der Ruhe draußen sitze und schreibe.
Man kann sich nicht vorstellen, wie eine normale Familie mit einem monatlichen Einkommen von etwa 70 US $ – sofern die Menschen überhaupt eine Arbeit haben – die Preise der einfachsten Lebensmittel bezahlen können. Geschweige denn Essen gehen, ein durchschnittliches Abendessen ist normal nicht unter 20 $ zu haben. Ein Kilo Kartoffeln? 4,5$, ein Liter billiges Speiseöl? 2,5 US $ – noch Fragen? Dass dann ein greiser alter Mann das Land über 25 Jahre nennen wir es mal regieren, durfte und anschließend seine rechte Hand nach Militärputsch tatsächlich mit 2/3 Mehrheit wieder gewählt wird – das geht eigentlich nur, wenn man nachhilft. Isoliert von allen Nachbarstaaten, denen diese Diktatur nämlich auch zu viel wurde, obwohl, die sind ja auch nicht ganz ohne. Ich vergass, das billigste Bier, 50 Cent, billiger Fusel? 1L für 5 US $ – so stellt man die Bevölkerung ruhig. Aber wenn man nur auf der Lodge hängt meidet man den Kontakt mit den Betroffenen. Ist es trotzdem gut als Tourist Geld ins Land zu bringen? Wer kriegt was vom Kuchen ab? Wenn man sich damit eingehender auseinandersetzt, kommt man in Gewissenskonflikte, überhaupt so eine Reise anzutretent. Ich habe mich dazu entschieden, dass es gut ist, zu Wissen was los ist. Und ohne eine Reise wie diese, beschäftigt man sich nicht mit den Problemen, die hier vorherrschen, weit weg von den Rechten Europas oder der Trumpisierung der Medien.
Prost, darauf ein „Zambezi Lager“.

Der folgende Tag begann wieder früh, nach einer rauschenden Nacht – rauschend weil man permanent das Donnern der Falls im Hintergrund hörte. Aber schließlich wollte ich zum Unverständnis aller mich „Taxi“ nennenden Zimbabwern zu Fuß über die Brücke nach Sambia gehen. Von der im unaussprechlichen Jahr 190-x erbauten Brücke konnte man nochmal die Mainfalls sehen und das Donnern gut hören. Mein Bus sollte, so wie ich nach eingehender Recherche herausgefunden hatte, vielleicht um halb zehn ab Livingstone starten. Das liegt ca. 10 km weg von der Grenze, aber erstmal musste ich ja einreisen. Der gut vorbereitete reisende Europäer hat sein Visum vorab beantragt und einen „Letter of Intend“ mit einer Nummer drauf. Und derselbe Europäer denkt dann, dass ja lediglich die Nummer ins System eingegeben wird, und schon flutscht das Visum heraus. Pustekuchen. Vor mir war eine Gruppe Amis und Aussis und es ging quälend langsam voran, mindestens 5-6 Minuten pro Person. Und als ich dann dran war, wurde ich an den Nachbarschalter verwiesen, da ich ja ein Visum hätte. Dort ging es nicht schneller und es waren wiederum 4 der Gruppe vor mir. Alle Fragen, die ich schon bei der Visa-Einreichung angegeben hatte, musste ich also erneut beantworten, woher, wohin, wie lange, Geld genug ppp. Als Europäer, der von Portugal bis Schweden ohne seinen Pass einmal zu zücken fahren kann, sagen wir mal interessant (war ja nicht so, als hätte ich das bei der Einreise nach Zim nicht auch schon gehabt).

Irgendwann nach ca. 1.5 Stunden hatte ich also mein von Hand ausgefülltes Visum plus Borderpass (ein kleiner Zettel mit wichtigem Stempel drauf), der zu einmaliger Einreise berechtigt und den ich zur Sicherheit nach 5 m direkt dem Grenzbeamten wieder abgeben durfte, Also war ich in Sambia, habe mir das erste Taxi geschnappt und mich zum Busbahnhof fahren lassen, eine Elefantenherde am Strassenrand inklusive. Wer jetzt Busbahnhof denkt, denkt vielleicht an sowas wie in Bonn, wo es Abfahrtsteige gibt, man Fahrpläne findet und sich in Ruhe erkundigen kann. Vergesst es, schon durchs offene Fenster beim noch stoppenden Taxi bestürmten mich 4-5 Leute, die wirr auf mich einredeten. Ich bin erstmal ausgestiegen und habe laut „Stop it“ gerufen, „let me first get out and grab my luggage“ – das wollten die sich nämlich auch krallen. Es stellte sich heraus, dass deren Job darin besteht, die Leute zu den jeweiligen Bus-Unternehmen zu schleppen – „otherwise the busses remain empty“ wusste mir der, den ich dann schlußenfdlich ausgewählt habe, zu berichten (sein Glück des Auserwählt-werden fusste übrigens darauf, dass er schwarz-gelb gekleidet war). Danach war immerhin Ruhe, man scheint dem anderen keine Kunden streitig zu machen.

Im Bus, weil als letzter eingestiegen ganz vorne sitzend, sowas überflüssiges wie Sicherheitsgurt war dem Fahrer (der ihn nur an den zahlreichen Polizei-Checkpoints anbrachte) vorbehalten mit gutem Blick ging es also los. Der 2. Gurt wurde übrigens für die Türverriegelung benötigt. Nach zuerst recht zügiger Fahrt hoffte ich noch auf die beste aller Zeiten, aber ich hatte nicht mitbekommen, das wir das County des führenden Oppositionspolitikers durchfahren mussten (das habe ich als Grund später erfahren). Denn gegen diese Teil-Strecke waren die Straßen im Etosha-Park eine Wohltat (und meine Beiden wissen jetzt wovon ich rede). Und an den wenigen Passagen, wo es etwas besser ging, waren entweder massenhaf Lastwagen, die mal rechts, mal links überholt wurden oder eben Polizei.Checkpoints. Ich dachte schon vorher, dass es derer viele waren, aber auf dem ca. 70km langen Stück waren es sicher 5 oder 6. Anhalten, kurzer Plausch oder müdes Durchwinken und weiter, bis zur nächsten Schlagloch-Serie. Vermutlich war ich auch der Einzige, der sich Sorgen ob der seltsamen Knack-Geräusche aus dem Fahrwerks-Bereich machte. Europäer eben. Aber irgendwann ist auch die längste Fahrt (8h) zu Ende und wir kamen in Lusaka am Busbahnhof an. Jetzt waren es die mich „Taxi“ nennenden, die wie fliegen um die – naja – surrten. Gut dass ich mir vorher auf MapsMe mein Guest-House markiert hatte, so konnte ich den Fahrer dann die 4km lotsen. Vorbereiteter Europäer eben.

Heute wollte ich dann sichergehen, ob ich wirklich „Taxi“ heisse und bin etliche Kilometer durch die Stadt gelaufen. Antwort gefällig? 😉 Die ohne Auto nannten mich ab und an „KwecheKwecha“ – nach der Währung des Landes, aber im großen und Ganzen wird man ziemlich in Ruhe gelassen, wenn man durch die staubigen Straßen von Lusaka spaziert.

Mein Weg fürhte mich zunächst ins TAZARA Haus (TAnsanian-SAmbian-RAilway), wo ich dann tatäschlich in irgendeinem Office (durchfragen!!), mein Ticket für den nächsten Reise-Abschnitt erhielt. Freitag fahre ich also TAZARA, 52h, 1860 Kilometer von Kapiri Mposhi nach Dar Es Salaam, quer durch Ostafrika. Und das ganze für 278 KW (ca. 25 Euro), zuviel Komfort in der 1. Klasse sollte ich also nicht erwarten. Ich muß nur noch zur Endstation kommen, die liegt nämlich 180km östlich von hier – Kleinigkeit! Dass es in Steinwurf-Nähe von der TAZARA den Hauptbahnhof von Lusaka gibt, wo angeblich Züge nach Kapiri fahren, wusste die Ticketdame allerdings nicht. Erwartet jetzt aber mal nicht, dass ich nicht selber gucken gegangen bin aber erwartet vor allem mal nicht, dass am Bahnhof, zu dem übrigens kein einziges Hinweisschild hinweist, ein Fahrplan aushängt. Natürlich fährt der Zug auch nicht Freitag, sondern Samstag und Donnerstags, wusste mir einer der dort herumlungernden Arbeiter zu berichten. Dumm nur, dass die TAZARA Freitags und Dienstags Mittags abfährt. EIn hoch auf die deutsche Bahn – wo man mittlerweile die ÖPNV Verbindungen zu jedem Halt angezeigt bekommt. Also wieder Bus, aber ein Ticket für Freitag konnte ich natürlich heute noch nicht kaufen.
Wer jetzt denkt, ich bin in Polemik verfallen, liegt falsch. Ich bin glücklich und happy und freue mich auf Freitag, Wie bolle. Und danach schreibe ich wahrscheinlich auch einen Text zur Zugfahrt.

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mal ehrlich DFB … oder die Geschichte von der Limo mit dem seltsamen Geschmack

Mal ehrlich und jetzt aber mal in echt. Ich war dieser Tage in so einem südosteuropäischem Supermarkt und habe dort ganz klassisch etwas Gemüse und ein paar Oliven gekauft. Draußen war es so heiß, wie es eben sonst eigentlich nur dort ist, wo der Supermarkt-Betreiber vermutlich herkommt. Aber Stop. Noch bevor ich hier weiter sinniere, möchte ich eines klar stellen: Mir ist es völlig egal welche Herkunft ein Mensch hat, welche Haar- oder Hautfarbe er/sie hat oder auch welche sexuelle Orientierung. Was für mich zählt ist, wie jeder einzelne Mensch handelt. Und irgendein ein Gefühl sagt mir, dass sich gerade dabei aktuell einige Exemplare ganz ordentlich vertan haben.

Und schon sind wir mittendrin in einem Thema, das Deutschland gerade berührt. Neben so großen Worten wie Rassismus schwingen Vorwürfe und Missverständnisse hin und her. Das fußballerische an der ganzen Debatte steht dabei nur ganz am Rande. Aber auch hier gehen die Meinungen auseinander. Während der geläuterte Steuerberater lautstark urteilt, jener Spieler mit deutsch-türkischen Wurzeln aus der unaussprechlichen Stadt bei Dortmund sei verzichtbar wie Socken beim Malediven-Urlaub (danke Borussen Bernie ;-)) oder ein Herr Hensel von Grindel meldet ganz verschreckt von allem das Gegenteil ist richtig (was dann streng genommen nochmal gegenteilig zu Handlungen desselben Mannes noch vor wenigen Jahren in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter ist), loben wiederum andere Medien eben genau die Vorlagengeberqualitäten, die Ebendiesem Ö. jetzt auch geholfen haben eine Solche für jeden Vollidioten, der sich zuletzt nicht hinreichend in der Öffentlichkeit präsentiert gesehen hat, zu geben. Der gute alte Looddar zum Beispiel, ganz staatsmännisch während der WM neben DesPutin und Elefantino sitzend und mit dem anklagenden Finger auf jene zeigend, die sich mit erdoganderen Despoten beim Trikottausch abbilden lassen. Nun denn, da hilft dann wohl auch kein „Herr/Allah/Buddah, schmeiss‘ Hirn vom Himmel“ mehr… ein Klavier könnte da vielleicht eher helfen.

Aber was hat das denn nun mit Essen, Genuß und Wein zu tun? Liegt ja auf der Hand: Es ist der südosteuropäische Gemüsehändler und die Hitze. Die trieb mich nämlich dazu den neben der Kasse stehenden Kühlschrank zu öffnen und diese unwiderstehlich eiskalte, vermeintliche Orangen-Limo zu greifen. Orange und Apfel waren abgebildet und in der Mitte etwas das aussieht wie ein Heftpflaster. Egal, ich habe bezahlt, bin raus in die Hitze und habe das Zeug in mich hineingekippt. Nur irgendwas hat mich dann ziemlich irritiert, denn es breitete sich nämlich ein reichlich seltsamer Geschmack an meinem verwöhnten Gaumen aus. Was zuerst wie eine Mischung aus Orange und Heftpflaster wirkte, stellte sich nach genauerer Überlegung dann als offensichtlich sehr künstlich hervorgerufener Butterkeksgeschmack heraus. Was für eine spannende Idee, da muss man erstmal drauf kommen.

A propos – wer jetzt den Vergleich ziehen mag zur von DFB-Seite so hoffnungsvoll angegangenen Weltmeisterschaft, die sich – vor allem wenn man alle Nebengeschichten mit betrachtet – dann auch sehr schnell wie Orangenlimo mit Butterkeksgeschmack am verwöhnten Gaumen herausstellte, den werde ich nicht abhalten. Aber reiner Zufall ist’s schon.

Und übrigens: Ich habe das Zeug trotzdem geschluckt und erfreue mich bester Gesundheit und ich fürchte, das wird im übertragenen Sinne auf Seiten des DFB, der Medien und all den anderen trittbrettfahrenden Herrschaften auch nicht anders sein…

Zur Wintervorbereitung: Tomatensugo einkochen oder ‚Gemüsehandel in meiner Stammkneipe‘

Im Leben gibt es so Erfahrungen, die machen wohl eher weniger Leute. Gut, so manche erlebte Erfahrung will man gar nicht haben, aber es gibt auch ein paar der etwas kurioseren Art, die als Geschichte erzählt werden wollen. Und das kam so….

Am Mittwoch Abend habe ich mich auf in meine Stammkneipe, das Bonner namenlos gemacht um den Champions-League Auftakt live zu erleben (über das Ergebnis will ich nicht reden). Nach dem Spiel gegen halb Zwölf Abends stand ich dann mit einem Freund draußen vor der Tür als ein Mann, etwa Mitte/ende 40 mit grünem Kittel an uns vorbei ins Innere strebte. Kurioserweise hatte er einen Kiste mit Gemüse unter dem Arm. Interessiert nach drinnen folgend hörte ich, wie der Grünkittel Marco, meinem Lieblingswirt, Tomaten anbot. Nach der Feststellung das es ja „nur“ zwei Kilo sind, winkte Marco ab, „Nee, für 2 Kilo koch ich kein Sugo, das ist mir zu wenig„. „Zeig mal her“ hörte ich mich sagen. Und schon eine Minute später war ich Eigentümer seiner wunderschönen Tomaten. Dabei waren Exemplare verschiedenster Sorten, unter anderem war mein südfranzösischer Liebling mit Eigennamen „Zipfeltomate“. Allerdings hatten die Tomaten sicher schon frischere Tage erlebt, mehr als Sugo ließ sich damit tatsächlich nicht mehr machen.

Der grün Bekittelte stellte sich als Bio-Bauer aus der Umgebung heraus – und nebenbei als findiger Geschäftsmann: Mit zwei Kilo Tomaten, einem knappen Kilo Buschbohnen, 2 Sellerie-Knollen samt grün und einigen Porree-Stangen zog ich anschließend nach Hause….

Also war gestern Tomatensugo-Kochen angesagt. Da auch mir die 2 Kilo etwas wenig erschienen, habe ich kurzerhand nochmal 2 Kilo geschmackvolle Tomaten beim Bioladen nachgekauft. Alle zusammen habe ich klein geschnitten und in einem Topf ohne Öl bei mittlerer Hitze einköcheln lassen. Zwischendurch habe ich 2 Teelöffel Zucker und 1 TL Salz dazu gegeben. Nach etwa einer Stunde köcheln habe ich für etwa eine Minute den Pürierstab reingehalten und fertig war die Laube, äh, das Sugo.

Sehr gut das im Keller immer eine ganze Sammlung an leeren Gläsern samt Deckel herumsteht. Acht Stück davon habe ich kurzerhand mit kochendem Wasser desinfiziert und mit dem Tomatensugo gefüllt. Die Gläser muss man dann heiß verschließen und ein paar Minuten auf den Kopf stellen. Und so kann ich nun auch im aufziehenden Winter den Geschmack von sonnengereiften Tomaten genießen – und das Beste ist: ich weiß genau, was drin ist – und auch was nicht :-).

 

Verlieren wir den Kontakt zu unserem Essen? Was Am**on-Fresh & Co anrichten könn-t-en (und vermutlich auch wollen)

bald nur noch per Express-Lieferung: Frische Melone

(!Achtung! Der Artikel enthält einiges an gepfefferter eigener Meinung!) Jetzt muß ich ja doch mal meine Meinung kundtun. Der auslösende Grund ist, das ich gestern über einen Artikel auf Zeit-Online, der sich dem KickOff von Am**on-Fresh in Berlin widmet, gestolpert bin. Das auch die großen Lebensmittel-Ketten veruchen uns den Lebensmittel-Einkauf mttels Online-Bestellung samt Lieferung schmackhaft zu machen, ist ja bereits bekannt, aber das, was die Alleshändler aus Amerika da verbrechen, hämmert meiner Meinung nach jeglichem Faß den Boden raus.

Worum geht es? Online-Bestellung von Lebensmitteln, soweit so gut, kennen wir, nutze ich nicht. Ich muß Lebensmittel sehen, fühlen, spüren, muß in der Lage sein mir die Frucht, den Salat oder das Stück Fleisch zu wählen, das ich möchte – mal ganz abgesehen vom ganzen Verpackungswahn, den ich versuche zu vermeiden. Aber dann noch vorzuschieben, man würde ja mit lokalen und sogenannten Lieblingsläden kooperieren, das geht mir dann doch entschieden zu weit. Jetzt müssen also die Amerikaner nach Berlin kommen um den Berlinern vorzuschreiben, was ihre Lieblingsläden sind? Dabei unterstreicht der jung-dynamische Statthalter des ganzen Imperiums noch, das man auch „Lieblingsläden aufnehmen würde, die von den Kunden vorgeschlagen werden“, neben – natürlich – den eigens selektierten.

Mein erster Gedanke dazu war, das abgesehen davon, das dieser Auswahlprozeß mit Sicherheit nie und nimmer transparent gemacht wird, das das Ganze das Potential birgt, um die ganze Lebensmittelbranche aus den Angeln zu heben, denkt mal an Air**b, U**R oder seit neuestem F**dora. Okay, vermutlich übertreibe ich, dachte ich, denn schließlich müssen wir Verbraucher ja dann noch blöd genug sein, unsere Lebensmittel tatsächlich dort zu bestellen. Aber in Zeiten, in denen Völker ohne Not die eigene Demokratie abwählen dauert es natürlich nicht lange, bis der erste Volldepp über die Kommentarfunktion jubiliert, das „er dann ja nicht mehr hinter den münzgeldzählenden Rentnern an der Kasse stehen müsse“.

Gut, abgesehen davon, das ich wenig Verbundenheit zu Menschen empfinde, die sich im Nachgang zu Online-Artikeln gegenseitig mit Kommentaren überblöden, muss man an dieser Stelle aber leider eines feststellen: Dieser Mensch liest immerhin die Zeit und nicht die Blöd und vermutlich ist er mit seiner Meinung nicht ganz alleine.

Exklusiv geliefert von DHL: Frisches Baguette

War es das also mit Gemüseständen, Bio- oder Hofläden oder dem Metzger von nebenan, der die seitens des Martkbeherrschers geforderten Mindest-Mengen unter Umständen gar nicht liefern kann oder will? Werden unsere Kinder oder Enkelkinder gar nicht mehr das Gefühl erleben können, wie es ist, in einem fremden Land in einer fremden Umgebung in einen Lebensmittelladen zu gehen und zu spüren, riechen und fühlen, wie und vor allem was die Menschen dort einkaufen? Ein anderes Szenario: Mein Lieblingsladen schließt einen Vertrag mit Am**on-Fresh und liefert nun auch dorthin. Das Ganze läuft gut, wird gerne genommen und so langsam liefert mein Lieblingsldaden nur noch und exklusiv an die Retorten-Manipulierer aus den USA. Und auch auf deren Plattform wird das Gelieferte knapp, weil das auf einmal alle haben wollen. Das ist jetzt vielleicht gut für meinen Lieblingsladen, mit Sicherheit gut für die Amis und vermutlich ganz schlecht für mich. Muß ich dann Am**on-Prime Kunde sein und 10 virtuelle Am**on Cloud-Server betreiben damit ich überhaupt noch was abbekomme?

Ich glaube ich melde mich doch noch zur Marsmission an. Ein schönes Wochenende!
Ach übrigens – ein Nachsatz sei erlaubt (und darauf bin ich immer stolzer): Ich habe noch nie irgendetwas bei diesen Online-Verbrechern bestellt. Und ich denke, das wird so bleiben.

Bier.

tmp_15352-dsc_19691507319810Jetzt kommt mal was ganz anderes, nach gefühlten 200 Rezeptbeiträgen, von denen viele tatsächlich eine Wein-Empfehlung beinhalten, schreibe ich diesmal über der Deutschen Lieblingsgetränk: Über Bier.

Wobei alleine die oben getroffene Aussage trifft ja gar nicht mal nur auf Deutschland zu: Im weltweiten Vergleich steht Deutschland (nein ich sage nicht nur) auf Platz 3 der pro Kopf Biervernichter, hinter den Tschechen (1) und den Iren (2), dicht gefolgt von Australiern und Österreichern auf 4 und 5. Und – keine weitere Sorge – in der nun folgenden 2. Statistik geht es um den Konsumvergleich heruntergerechnet auf den reinen konsumierten Alkohol pro Kopf und Jahr. Da liegen wir Deutschen nämlich lediglich auf einem unterfernerliefensiemit-abgeschlagenen Platz 23. – übrigens nach Luxemburg (22.), Österreich (21.) und Südkorea (13.) und so ziemlich dem gesamten ehemaligen Ostblock samt Ex-Sowjet-Staaten. Na dann Nastrovje

Also, keine Sorgen machen, weiter trinken. Oder besser genießen, denn darum geht es ja in diesem Blog.

Wer aufmerksam durch einen gut sortierten Getränkemarkt geht, wird wie ich festgestellt haben, das es hinsichtlich Bier zwei eindeutige Trends gibt: Zum Einen wächst das Angebot an in Einzelflaschen angebotenen Biersorten stetig. Zweiter Trend sind die plötzlich auftauchenden monströsen Extra-Kühlschränke mit sogenannten Craft-Bieren mit den seltsamsten Namen. Auch davon habe ich mich bereits zum Kauf anstiften lassen, muß aber zugeben, das ich lieber 10 Euro in einen guten Wein der zum Essen passt investiere, als 7 Euro in dieselbe Menge an Bier.

Jetzt fragt man sich, warum habe ich mich anstiften lassen? Ich glaube es liegt daran, das ich, was Essen angeht, um jegliche industriell produzierte Massenware einen großen Bogen mache, ich schaue das ich regionale Produkte kaufe, achte bei der Auswahl oft auf die Jahreszeit, kaufe Bio-Ware wo es sich anbietet, aber beim Bier gibt es seit Jahr und Tag das Gebräu aus der Eifel mit dem weltweiten Ruf, gepimpt durch eine Herde an Marketing-Strategen, ausgedrückt durch den Fanclub Nationalmannschaft oder den nett lächelnden Nachbarn, der, wenn ich seinen Zaun demoliere, erstmal ein paar Flaschen Bier aus dem Keller holt … ?
Nein danke, keine Lust mehr.
Das passt irgendwie nicht zusammen, eine andere Lösung musste her.

tmp_15352-dsc_1970-1081701061Die Gerstensaft-Experimentierphase abseits von lecker Pilsken ist also eröffnet. Und das bedeutet auch, das ich tatsächlich mal abseits des deutschen Dreiklangs Pils-Kölsch-Weizen geschaut habe und bin auf eine – zugegebenermaßen für mich weniger regional ansässige – Brauerei gestossen, die beim Bierbrauen offensichtlich einen alternativen Weg eingeschlagen hat,  ihr Bier aber trotzdem zu Preisen verkauft, die es erlauben, auch mal eine zweite Flasche zu trinken. Ich rede von Störtebeker Brauspezialitäten aus Greifswald. Speziell vorstellen möchte ich heute deren Atlantik Ale.

Es geht also um die Biersorte, die man meiner Meinung nach in einem britischen Pub besser nicht bestellt, da zu warm und oft abgestanden schmeckend. Wobei das mit dem warm ja eigentlich wiedermal eines dieser ach so gemeinen (und doch so großartigen) Vorurteile gegenüber dem Volk von der Insel ist („Ist die Cervisia nicht lauwarm genug? Soll ich sie lassen temperieren?„), denn das britische Bier kommt schlicht aus dem Keller – Cellar cooled sagt der Brite. Also je nach Keller auch manchmal kühl….

Zurück zum Störtebeker Atlantik Ale. Flasche öffnen, der erste Geruch, der in die Nase steigt und den man auch unweigerlich wahrnimmt, hat tatsächlich was von Heu und ja, es kitzelt auch etwas in der Nase. Der erste Eindruck im Mund ist auch völlig überraschend, denn man erwartet ja ein malziges Getränk, das dann – wie meistens beim Bier – sein Hopfenaroma im Mund entwickelt. Das ist hier völlig anders, denn erst dominiert der leicht zitronig-blumig-heuige Hopfengeschmack, dann erst der wirklich erfrischende Biergeschmack, das es wahrlich eine Freude ist! Ich gebe zu, das Bier ist sicher nicht jedermanns Sache und auch ich würde an einem langen Kneipenabend nicht rein auf das Ale setzen wollen, aber für die Freunde des guten Biergeschmacks ist es auf jeden Fall mehr als einen Versuch wert! Genauso wie übrigens auch die (meisten*) anderen Sorten der Störtebeker Brauerei. Und danke dafür, das Ihr mir den Glauben an echte Braukunst zurück gegeben habt.

* den Freunden schottischen Highland Whiskys sei das Schottisch Ale aus über Torf geräuchertem Malz mit 9% Alkohol empfohlen. Aber hier steige ich aus.

Pata Negra oder warum einfach jeder gute Freunde haben sollte

Also wenn ich von zu Hause in mein Büro gehe, gehe ich jeden Tag am Haus von Freunden von uns vorbei. Manchmal trifft man sich dort zufällig, des öfteren auch beim Einkauf im nahe gelegenen türkischen Gemüsemarkt oder bei unserem beliebten Franzosenbäcker. C’est la vie möchte man meinen.

Doch letztens rief mich Peter an und druckste etwas herum, ich solle doch auf dem Nachhauseweg unbedingt mal klingeln, was ich dann auch schon am übernächsten Abend schaffte. Im Kopf noch halb im Büro aber auch schon halb beim „was gibt es denn heute zum Abendessen?“ stieg ich die Treppe zu ihrer Wohnung hoch.

Was Peter mir dann in die Hand drückte und vor allem mein verdutztes Gesicht seht Ihr auf dem Bild mittig auf der Schieferplatte liegen. Pata Negra. Wenn ich Schwein wäre und dürfte über mein Schicksal selber bestimmen, dreimal dürft ihr raten, was ich mir wünschen würde ….

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Womit haben wir das verdient?“ Es stellte sich raus, das die beiden über’s Wochenende in Barcelona waren und dort einen kleinen Laden entdeckt haben, der neben Schinken Käse und Wein aus den nahe gelegenen Pyrenäen verkauft – aber nur von Bauern, die sie selber kennen und deren Produkte es wert sind.

Jetzt muss man zuerst wissen, das ein Serrano ein Schinken ist, ein Jamón Ibérico de bellota (besser bekannt als Pata negra) aber ein Gedicht. Das liegt an der Schweinerasse und an dem, was die zu fressen kriegen:
Eicheln.
Die Verarbeitung der Hinterkeule ist dann wieder recht ähnlich, fachgerecht zurechtschneiden, pökeln und lufttrocknen, und das bis zu 38 Monate! (Ehrlich gesagt, tun mir alle Vegetarier doch ein bisschen leid, andererseits muss man schon sehr standhaft sein sich so einen Genuss zu verwehren….)

Lange Rede, kurzer Sinn. Alle Pläne für das Abendessen wurden gestrichen, ein paar schnelle Tapas mussten her: Also, den Schinken auf die Platte, damit er Raumtemperatur annehmen konnte, in der Zeit habe ich fix ein paar Tapas gemacht: Patatas Bravas, Aioli, Datteln im Speckmantel und gefüllte Champignons & fertig war der würdige Rahmen für das Schinkenfest….

In diesem Sinne nochmals mein herzlicher Dank an Peter & Romi für den Schinken; jederzeit gerne wieder 😉

Pizzaofen die IV.-te: Verputzen statt verputzen

Die letzte Bauphase des Pizzaofens war ich ja noch schuldig, beziehungsweise die Beweisphotos dazu. Denn: Er ist fertig!“ Strahlend weiß und wartet nun auf schönes Wetter, Zeit und viel Holz.

Die letzte Bauphase bedeutete Verputzen – nur leider nicht das, was man mit Pizza oder anderen Leckereien macht – sondern eben verputzen, also Putz drauf und drunter noch was Dämmung. Also habe ich einen Mantel aus Steinwolle geschneidert und dieser mit Kaninchendraht rundherum befestigt wurde und dann in mehreren Phasen den Putz drauf gespachtelt (wieder so ein doppeldeutiges Wort ;-)).

Pizzaöfen sind eben auch Diven auf Ihre Art und wollen warm gehalten werden.

Verarbeitet alleine in diesem Bauabschnitt habe ich 3.5m Steindämmwolle (8cm Stärke), etwa 8m Kaninchendraht, etwa 30 m Draht zur Befestigung, mehrere Haken samt Dübel, zwei Zaunspanner, darauf etwa 90kg Putz, etwa 1l Tiefengrund und 0.8l weiße Fassadenfarbe. Aber gemessen an dem an Zement, der alleine im Fundament steckt, war das nichts!

Es folgt irgendwann als nächster (und letzter Teil): Die Einweihung!

Strahlend weiß und fertig!

Strahlend weiß und fertig!

mit Putz und ohne Farbe

mit Putz und ohne Farbe

und hier noch etwas nackt

und hier noch etwas nackt mit Kaffeetasse

und nochmal in Farbe und in fertig!

und nochmal in Farbe und in fertig!