Kondosouvli – der große Bruder des Souvlaki

Der große Bruder kann ja gerne auch als Altersangabe gemeint sein, aber wer heraus zu finden versucht, welcher dieser beiden Klassiker der griechischen Küche nun der Ältere ist, wird vermutlich den Göttervater Zeus oder Demeter, den Gott der Fruchtbarkeit persönlich fragen müssen. Es geht hier um die schlichte Größe, die ja an der ein oder anderen Stelle auch eine Rolle spielen soll… Eines ist jedenfalls sicher, das Gericht kommt dem in der griechischen Mythologie als Götterspeise bekannten Ambrosia mit Sicherheit recht nahe, auch wenn kein Mensch bis heute weiß, was Ambrosia eigentlich ist. Mit Ruhe und Freude zubereitet, kann der Kondosouvli aber durchaus den Aufstieg in den Olymp des gehobenen Geschmacks bedeuten, auch wenn die griechische Landküche sicher selber keinen Anspruch hat eine Haute Cuisine zu sein, sondern erstmal auch einfach dazu dient, satt zu machen.

Der Küchengott benötigt:

  • einen großen Grillspieß, idealerweise mit Grill (Gas oder Holzkohle, geht beides)
  • eine große Schüssel (zum einlegen des Fleisches)
  • Messer & Brett
  • Ein Löffel (o.ä.) zum Rühren
  • wer keine andere Lösung hat, eine Schraubzwinge (dazu unten mehr)

Der Küchengott verbraucht:

  • ca. 800g Schweinenacken vom Bio-Schwein
  • 2 Zitronen
  • 3 Zehen Knoblauch
  • 0.2l Olivenöl
  • 2 TL Origano
  • πιπέρι και αλάτι (Pepe e Sale)

Dazu Beilagen nach Bedarf, in jedem Fall Tsatsiki, gerne auch Weißkohlsalat und Zeitronenkartoffeln und was uns sonst so einfällt.

Darüber, wie ich den großen Spieß denn nun grillen kann, habe ich eine Weile nachgedacht. Erst kam die Überlegung, mittels Akkuschrauber, Gummiband und einen großen Schwungrad für permanente Drehung zu sorgen, aber ich habe dann einfach überlegt, dass eine Teildrehung alle paar Minuten bei einer Grilldauer von mindestens 2 Stunden einen ähnlichen Effekt haben wird. Dumm ist nur, dass sich der bepackte Spieß natürlich immer mit derselben Seite nach unten dreht, einfach der Schwerkraft folgend. Die habe ich dann mit einer einfachen Schraubzwinge und einer auf dem Griff des Spießes angebrachten Markierung außer Kraft gesetzt. Eine unkonventionelle Lösung wie man im Bild links erkennt, die aber super funktioniert hat.

Da mein Grill auch keine Halte-Vorrichtung für den Spieß hat, habe ich denselben erst auf einer Seite durch die Lüftungsschlitze des Deckels geschoben, dann das Fleisch drauf gesteckt und dann an der anderen Seite des Deckels wieder heraus gesteckt. Damit konnte ich den Spieß auch recht weit hinten positionieren, also ohne das die Flammen direkt darunter waren, was wichtig ist (außer man will Holzkohle selber machen).

Aber fangen wir doch vorne an. Ich habe das Stück Fleisch zunächst längs halbiert und dann in Würfel mit 6-8 cm Kantenlänge geschnitten. Die Stücke müssen recht groß sein, sonst wird es eben eher Souvlaki und kein Kondosouvli. Wichtig ist, dass wir das Fett schön dran lassen! In der Schüssel habe ich eine Marinade aus gehackten Knoblauch, Saft von 2 Zitronen, Olivenöl, Salz und Oregano gerührt. Da hinein legen wir das Fleisch dann, idealerweise für bis zu 24 Stunden bei Lagerung an einem kühlen Ort. Man sollte ab und an mal durchmischen, damit das Fleisch recht gleichmäßig in der Marinade liegt.

Den Rest habe ich eigentlich oben schon beschrieben. Also das Fleisch auf den Spieß stecken, den Grill nicht zu heiß machen und das Fleisch für insgesamt ca. 2 Stunden grillen, dabei alle 4-6 Minuten um eine Viertel oder Drittel-Drehung weiter drehen (oder wer mag, dreht die ganze Zeit). Das Fett wird so gelöst und macht das Fleisch sehr saftig, allerdings läuft auch jede Menge davon unten raus, den Grill müsst Ihr danach in jedem Fall sauber machen.

Ich habe mich dann in den Drehpausen den Beilagen gewidmet, die auch klassisch griechisch sein sollten. Neben den oben erwähnten Klassikern gab es noch einen Rote-Beete Salat dazu und mein Weißkohlsalat habe ich diesmal aus rotem Spitzkohl gemacht. Den gab’s letztens beim Bio-Bauer.

Wenn das Fleisch nach 2-2.5 Stunden fertig ist, zieht man es vom Spieß, schneidet es in gröbere Stücke (oder wer noch dickere Brocken hat, kann auch eine Art Gyros herunter schneiden) und serviert es. Ich habe diesmal tatsächlich einen Weißwein dazu genommen. Ich hatte bei meinem Lieblingsfranzosen einen Chardonnay aus der Provence von Château Régusse, der ein wenig im Holzfass gelagert wurde. Es ist ein frischer, aber doch bodenständiger Weißwein, der sehr gut mit den starken Aromen des Fleisches klar kommt.

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Ελλάδα und seine Landküche – aber fangen wir hinten an: Joghurt mit Früchten und Honig

Wer diesen Blog Desöfteren besucht mag bemerkt haben, dass die Küche, die ich liebe oft wenig spektakulär ist und  gerne auf Zutaten basiert. Kurz: Eher bodenstädig denn abgehoben oder raffiniert, um es mal positiv auszudrücken :-). Dazu passt perfekt die griechische Küche. Zitronen, Knoblauch, Olivenöl, Petersilie und Feta sind Grundzutaten einer Küche, die sich in unterschiedlicher Konstellation in verschiedenen Gerichten wiederfinden. In Kombination mit anderen guten und frischen Zutaten aber immer ein Gedicht, wenn Ihr mich fragt.
Und immer ehrlich.

Heute fange ich an, nach unserer Pfingst-Ferien-Stipvisite am östlichen Mittelmeer, eine Reihe von griechischen Rezepten aufzuschreiben. Und ganz untypisch fange ich hinten an, mit dem Nachtisch. Bei der Auflistung oben habe ich den Joghurt vergessen, gut abgetropft mit Gurke und viel Knoblauch zur alle-Essen-begleitenden-Mezze Tzaziki hergerichtet schmeckt der einfach frisch und köstlich. Aber wir haben dann ja auch noch Honig in der Region Arkadien auf der Peleponnes gekauft…..

χρειάζεστε

  • einen Teller
  • einen Teelöffel
  • Messer & Brett
επεξεργάζεται κάποιος
  • 350g griechischen Joghurt (10%)
  • 2 Aprikosen
  • 1 Pfirsich
  • eine handvoll Erdbeeren
  • … oder andere Früchte, je nach Geschmack
  • 2 TL griechischen Honig

Das Obst waschen, den Joghurt auf dem Teller anrichten, Arikosen vierteln, Pfirsiche achteln und große Erdbeeren halbieren. Den Honig auf der Oberfläche des Joghurts verteilen und mit Früchten anrichten. Dauert alles in allem 2 Minuten….

 

Solidarität mit einem vergessenen Sorgenkind: Greek Table

Es passiert ja gerade so viel in der Welt, das wir unsere größten europäischen „Sorgenkinder„, die Griechen schon fast wieder vergessen haben. Zugegeben: Es gibt aktuell drängendere Probleme in Europa, aber eines dürfen wir trotzdem nicht vergessen: Die griechische Küche! Die schmeckt nämlich auch abseits von Gyros!

von links oben im Uhrzeigersinn: Tzatziki, Souvlaki, Krautsalat, Brot

von links oben im Uhrzeigersinn: Tsatsiki, Souvlaki, darunter Zitronenkartoffeln, Krautsalat, Brot

Kappes schnigge

Kappes schnigge

Da ich sehr viele Utensilien benutzt habe, lasse ich die diesmal aufzulisten einfach mal weg. Und wie ich Tsatsiki mache, habe ich hier schon mal beschrieben.

Krautsalat

  • 1/2 Weißkohlkopf
  • 1 grüne Paprika
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • 4 EL Vinaigre de Banyuls
  • 4 El bestes Olivenöl
  • 1/2 TL Kümmel
  • 1/2 Bund Schnittlauch
  • Pepe e Sale

Hobeln kann ja jeder, aber schneiden ist immer besser, da so der Saft besser im Gemüse bleibt. Daher schneiden wir den Kohl mit unserem Lieblingsmesser quer in ganz feine Scheiben, den Strunk schneiden wir vorher dreiecksförmig heraus.

Den Kohl anschließend in eine Schüssel geben, salzen und mit den Händen walken. Damit meine ich den Kohl richtig zu kneten und zu pressen. Dadurch bricht die Struktur auf und der Kohl nimmt Essig und Öl besser auf.

Die Paprika in feine Scheiben schneiden und mit Essig, Öl, Kümmel und etwas Pfeffer vermischen. Knoblauchzehe schälen, mit der flachen Messerseite zerdrücken und fein hacken, Schnittlauch in feine Röllchen schneiden und beides unter den Salat mischen und den Salat am besten für einige Stunden kalt stellen.

Souvlaki

aufgespiesst das Schwein!

aufgespiesst das Schwein!

  • eine dicke Scheibe (ca. 3 cm) Schweinenacken, ideal in Bio-Qualität
  • 1 TL Kreuzkümmel
  • 1 TL Paprikapulver
  • 1 TL getrockneter Oregano
  • 1 Knoblauchzehe
  • Saft von 1 Zitrone
  • 1 EL Olivenöl
  • Pepe e Sale

Reicht für 4 Spiesse. Gewürze und fein gehackte Knoblauchzehe mit Zitronensaft und Öl in einer Schüssel vermischen. Das Fleisch in 3×3 cm große Würfel schneiden und in die Schüssel geben und gut mit der Marinade vermischen. Das Fleisch jetzt für mindestens 2 Stunden marinieren. Anschließend auf 4 Holzspiesse aufspiessen und auf Holzkohle oder Gasgrill von jeder Seite einige Minuten grillen.

Dazu gibt es Zitronenkartoffeln:

  • 4 festkochende Kartoffeln (ich hatte Annabel)
  • Saft von 2 Zitronen
  • 1 Knoblauchzehe
  • 4 EL Olivenöl
  • 1 TL Oregano
  • Fleur de Sel

Die Kartoffeln waschen und in Spalten schneiden. In einer Auflaufform mit der fein gehackten Knoblauchzehe, Olivenöl, 1 TL Fleur de Sel und Oregano richtig gut vermengen. Dazu ruhig die Hände nehmen. Zitronensaft angiessen und Form mit Wasser befüllen, so das die Kartoffeln fast bedeckt sind. Kartoffeln für etwa 35-40 Minuten bei 180° backen.

Alles zusammen servieren, dazu einen kräftigen Rotwein, zum Beispiel ein echter Grieche: ein Nomis.

serviert ist

serviert ist