stilvoll vom Rübenacker auf den Teller: Rübstiel

Kennt ihr noch euer Kinderlieblingsessen? Bei mir war es Rübstiel – auch wenn oder besser obwohl ich sonst dem Gemüse nicht wirklich zugeneigt war und zum Beispiel Kohl und Sauerkraut erst sehr viel später angefangen habe zu essen. Wenn ich an das Drama denke, wenn es (mal wieder) Mangold gab und meine Mutter mir immer weismachen wollte, der würde wie Spinat (den mochte ich) schmecken – heute weiß ich, das das nicht stimmt, und esse ihn trotzdem. Und Blumenkohl, Rosenkohl, Kohlrabi, wie habe ich euch gehasst!

Aber Rübstiel habe ich immer geliebt. Rübstiel ist ein heute leider etwas in Vergessenheit geratenes Gemüse, vermutlich weil man die frischen Blätter weder transportieren noch lange aufbewahren kann – die Eigenschaften passen halt nicht in die heutige Auffassung der Nahrungsmittelindustrie. Gut, das es auf dem Bonner Markt wenigstens den ein- oder anderen brauchbaren Gemüsestand gibt. Man darf natürlich nicht einen aus der Betrüger-Gasse wählen, aber die würden sowas eh nicht haben, weil verdirbt zu schnell. Egal, jedenfalls konnte ich gestern nicht anders und habe ein gutes Kilo frisch vom Rübenacker erworben. Das Rezept reiht sich ein in meine Liste der Traditionsgerichte, denn so und nur so mache ich als Rheinländer Rübstiel, übrigens auch bekannt als Stielmus.

Mer bruche:

  • Messer & Brett
  • Kartoffelschäler
  • einen großen Topf oder tiefe Pfanne
  • einen kleinen Topf
  • Schneebesen und Holzlöffel
  • Muskatreibe

Mer tue erin:

  • 1 Kg Rübstiel
  • 2 große mehlig kochende Kartoffeln
  • 2 große festkochende Kartoffeln
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 0.1l Flüssigkeit (Wasser, Bier, Wein)
  • 60g Butter
  • 2 EL Öl (zum Braten)
  • 150ml Milch
  • 1 EL Mehl
  • Muskatnuss
  • 1 EL Dijon Senf
  • Pfeffer und Salz
  • wer mag: 1-2 Mettwürstchen, Lyoner, es geht auch Kasseler oder Bauchspeck

Die Kartoffeln schälen und in ca. 1cm große Würfel schneiden. Die Pfanne oder den großen Topf aufstellen, 2 EL Öl hineingeben und die Kartoffelwürfel bei mittlerer Hitze anbraten. Während die Kartoffeln bruzzeln, die Zwiebel schälen und in feine Würfel schneiden, dasselbe achen wir mit dem Knoblauch.

Nach etwa 10 Minuten Zwiebel & Knoblauch-Würfel zu den Kartoffeln geben und einige Minuten mitschwitzen, dabei immer wieder rühren, dann etwa 0.1l Flüssigkeit hinzugeben.

Den Rübstiel gründlich waschen und von unten, also den Stielen angefangen, portionsweise in 4-5cm breite Streifen schneiden und nach und nach zu den Kartoffeln in die Pfanne geben und immer gut umrühren, ein bis zwei Minuten warten und die nächste Portion hinzugeben. So garen die Stiele etwas länger als die Blätter und durch das rühren löst sich Kartoffelstärke von den mehligen Kartoffeln und macht die Sauce später schön sämig.

A propos Sauce, die basiert auf einer klassischen Mehlschwitze: Im kleinen Topf Butter schmelzen, Mehl und Senf mit dem Schneebesen einrühren, Milch einrühren und mit Pfeffer, Salz und viel Muskatnuß würzen und beiseite stellen.

Sobald der Rübstiel komplett geschnibbelt in die Pfanne gewandert und dort gut mit den Kartoffeln vermischt wurden, geben wir die Sauce aus dem Topf dazu. Das Ganze lassen wir noch für 3-4 Minuten köcheln. Dann mit Pfeffer und Salz abschmecken, wer mag gibt jetzt seine Würste oder das Fleisch zum anwärmen hinein.

Ess Fäähdisch! Lecker un säähmisch!

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5 Kommentare zu “stilvoll vom Rübenacker auf den Teller: Rübstiel

  1. Vielen Dank für dieses Rezept. Ich entdecke den Rübstiel gerade für mich. Obwohl ich aus Westfalen stamme und schon seit über 25 Jahren im Rheinland lebe, kannte ich ihn bis vor kurzem nicht. Nun muss ich noch meine Kinder überzeugen. Meine ersten Versuche haben sie leider noch nicht begeistert.

    Liebe Grüße von Gabi

  2. Heute endlich nachgekocht und gelernt: Rübstiel schmeckt am besten als klassische Hausmannskost. So hat er mir und meinem Mann jedenfalls super-gut geschmeckt. Manchmal sollte man einfach nicht zu viel experimentieren 😉

  3. So als klassische Hausmannskost mögen wir Exilruhris den Stielmus auch am liebsten. Küche meiner Kindheit😋. Leider kann man ihn nicht mehr kaufen, daher Bau ich gelegentlich etwas im Garten an und friere ihn vorgeschnitten ein. So hat man immer was da.

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