Weinlese nach alter Tradition

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das ist die Ausbeute 2015 – ca. 350 kg Trauben mit 98° Öchsle. Der kann was!

Wein. Woran denkt ihr bei diesem Wort? An Genuß, an gemütliche Abende, an gutes Essen? All das ist berechtigt und durchaus im Einklang mit dem Erzeuger zu sehen. Ich denke bei Wein auch oft an meine Kindheit.

Okay, das versteht jetzt jeder falsch. Nein, ich habe keine frühkindliche Alkohol-Phase hinter mir. Von Eltern und Onkel und Tante getrieben habe ich dennoch meine frühen Erfahrungen im Weinbau gemacht. Onkel und Tante besitzen seit fast einem halben Jahrhundert ein kleines Häuschen in einem netten Weinörtchen am Mittelrhein, direkt oberhalb der berühmten Burg Pfalzgrafenstein gelegen. Und damit auch freundschaftliche Verbindungen zu einer Winzer-Familie mit dessen Sohn ich als Kind befreundet war (und die bis vor einigen Jahren noch eine Straußwirtschaft betrieben hatte). Und im Herbst ging es halt zur Weinlese in den Weinberg oder Wingert, wie man am Mittelrhein sagt. Mit Traktor am Weg oben, Lelenträger, der die andernorts Kiepe genannte Rückentrage mit den begehrten Trauben den Steilhang hinauf getragen hat. Und eben uns, den Lesenden Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten und deren Kinder.

der Blick vom Wingert Richtung Rhein

der Blick von oberhalb des Wingerts (weiter rechts) in Richtung Rhein

Das für den damaligen Genußstoff der Erwachsenen ab und an auch unversehrte Kinderfinger durch einen unvorsichtigen Schnitt in Versehrte umgewandelt wurden sei heute geschenkt. Und um das nicht falsch darzustellen: Wir mussten nicht, wir durften Lesen. Denn heute bin ich um zwei Dinge froh: Ich habe diese tolle Erfahrung gemacht und ich musste damals und muß heute das gelesene und ohne jegliche Liebe vergorene Zeug nicht trinken. In Erinnerung gehalten habe ich den Spitznamen für einen der damaligen Weine: „Fratzenschneider“. Das sagt wohl alles.

Doch warum komme ich da jetzt drauf? Weil eben Weinlese war. Am vergangenen Samstag. Oberhalb der Burg Pfalzgrafenstein bei strahlendem Sonnenschein im Weinberg meines Onkels. Im Hobbyweinberg muß ich sagen. Der hat etwa 20 Reihen a vielleicht 20-25 jahrzehntealten Riesling-Reben und ist extrem steil abfallend. Aber Ertrag bringen die Stöcke noch, siehe oben.

Das nach erfolgter Lese, die nach althergebrachter Tradition mit Lele (Rückentrage für Lesegut), Eimersche (Eimer für Lesegut), Bütt (großer Behälter) und Schärcha (Schere) durchgeführt wurde, die Tante mit einem typischen Weinbergessen anrückte, das dann im strahlenden Sonnenschein und unter Genuß – und Genuß kann ich heute sagen zum Riesling meines Onkels –  des letztjährigen Erzeugnisses gemeinschaftlich verputzt wurde, rundet den Tag ab. Ebenso wie die anschließende Heimfahrt auf zwei motorisierten Rädern….

 

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2 Kommentare zu “Weinlese nach alter Tradition

  1. Oh ja, lecker Wein 🙂 der kommt jetzt im Herbst wieder auf den Tisch beim Essen am Wochenende. Ist mir im Sommer immer zu schwer, aber im Herbst wärmt er so schön. Am liebsten in Rot oder Rosé. Vertrag aber nur ein Glas 😄

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