Berlin! Diesmal in Bonn.

Die Spannung steigt die ganze Woche. Und jetzt weiß ich garnichts mehr mit mir anzufangen. An kochen nicht zu denken. Das Ballspielfinale rückt näher!

von: http://www.ostwestf4le.de

Alle massgeblichen Spiele wurden bereits auf YouTube geguckt. Das richtige T-Shirt ist angezogen (s.u.), das Trikot an, die Bude geschmückt. Warum macht diese blöde Kneipe erst um 6 auf…. ?

Kurz: Ich warte und werde jede Minute jecker….

Also. Bloggen. Da fiel mir ein, das Nicole, meine bekannte und Museumsdirektorin des Borusseums mich nach dem legendären Malaga-Spiel nach einem Gegenstand, (m)einer Geschichte fragte. Und da dies eine so schöne Erinnerung ist, poste ich sie hier:

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BVB – Malaga FC: Die T-Shirt-Wahl

Es würde wieder einer dieser Tage werden. Schon Abends vor dem Einschlafen wusste ich es. Morgen kommt der Tag. Der Tag des Viertelfinal-Rückspieles. Wohlgemerkt in der Champions Legue!
Und ich wusste jetzt schon, das ich kurz vor und nach dem Abpfiff mal wieder den Tag verfluchen werde, an dem mich das Fußball-Gen gepackt hat. Immerhin war es das schwarz-gelbe Gen und damit das richtige, da bin ich mir seit so vielen Jahren sicher.

Während ich nach dem torlosen Unentschieden im Hinspiel noch völlig entspannt war und eigentlich gut gelaunt ob der wirklich guten Leistung unserer Jungs, so zogen nun langsam aber stetig in meinem Kopf dunkle Wolken auf.

Was ist wenn die ein Tor schiessen?
Wer soll denn eigentlich bei uns treffen?
Scheitern wir an unserer eigenen Nervosität?

Und das wichtigste überhaupt – welches T-Shirt ziehe ich morgen an??

Schlußendlich bin ich dann doch eingeschlafen.

Morgens dieselben Gedanken, aber der Tag versprach noch etwas Ablenkung: Geschäftstermin in Duisburg, früh aufstehen, wenig Zeit. Aber trotzdem steht immer noch dieselbe Frage im Mittelpunkt meines Interesses:

Welchem T-Shirt schenke ich heute das Vertrauen?

Das Heimspiel spricht eigentlich für das gelbe „Gelbsucht“-T-Shirt. Aber – das gilt ja nur für die Bundesliga. Das schwarze „Gelbsucht“ fällt raus – das ist das Bundesliga Auswärts-T-Shirt. Aber das hatte ich ja auch vor 6 Tagen beim Hinspiel, also auswärts an. Aber dann ist das das Chancentod-T-Shirt, bloß weg damit. Ab in die Wäschekiste.
Immerhin hatte ich letzte Woche schon das „Ich geh mal kurz nach’m Real inne City und hol Ajax“-T-Shirt drunter. Und beim Heimspiel gegen Freiburg auf der Süd hatte ich es auch schon unter dem Trikot getragen. Stadionpremiere sozusagen. Also ist es immerhin nun richtig eingeführt. Das würde gehen.
Oder doch „Gelbsucht“ in gelb? Oder das gelbe „Verdient“? Das „Meister-T-Shirt 2011“? Das „Meister-T-Shrt 2012“? Oder doch das vom meinem Sohn selber gemachte „Sahin-Trikot“-T-Shirt in gelb? Nee, kein gelb, quatsch, kein schwarz. Doch gelb, ist ja Heimspiel. Aber Champions-League.
Oder doch das „Frei“-Trikot?

Eine Entscheidung musste her, die Zeit drängte und den morgendlichen Kaffee sah ich schon in Gefahr.

Ein Entschluß erleuchtete mich. Jetzt wusste ich es. Wir versuchen es mit dem „Ich geh mal kurz nach’m Real inne City und hol Ajax“-T-Shirt. Das hat es verdient. Und es ist Champions-League.
Aber zu Hause schwarz?
Und warum auf einmal „wir“? – keine Ahnung.

Egal. Das T-Shirt wurde angezogen, alle Zweifel beiseite gewischt und ab zum Kaffee dann auf’s Rad zum Bahnhof. Und für den Kundentermin wurde dann noch schnell ein Hemd drübergeworfen. Was eigentlich egal ist, denn im Laufe des Tages wird sowieso klar werden, was mich heute eigentlich beschäftigt.

Solche Tage gehen ja irgendwie dann doch rum, auch wenn man es Morgens noch nicht glauben will. Natürlich wurde der Tag begleitet von dem ein- oder anderem Zweifel, ob die Wahl des T-Shirts nun wirklich die Richtige war.
Was wenn ich morgens einfach zu müde war, das richtig zu entscheiden?

Und plötzlich geht es nicht mehr um die Mannschaft, den Trainer, den Verein, die vielen, vielen anderen BVB-Fans.
Es geht um mich, um meine T-Shirt Wahl.
Ich bin schuld, wenn’s schief geht.
Ich allein.

Wieder zu Hause, heute sogar überraschend früh. Eigentlich ja super, aber verdammt, was mach‘ ich denn jetzt? Auf keinen Fall das T-Shirt wechseln! Das geht nicht. Einmal angezogen muß es bis nach dem Spiel an bleiben, komme da, was da wolle. Und wenn’s die eigene Frau ist.

Also …. mache ich ….. hm, ja was mach ich denn nun? Wann macht eigentlich die Kneipe ohne Namen auf? Das letzte mal hatte  Ingo ja schon vor 8 aufgemacht. Aber was mach ich dann da? Nervös zuckend Eric Meijers verunglückte Erklärungsversuche angucken und mir dabei Gedanken über das richtige T-Shirt machen?
Hm.
Ich könnte was Essen. Das ist eine gute Idee, das ist heute sowieso viel zu kurz gekommen.
Aber – mit dem flauen Gefühl im Magen krieg ich eh nichts runter.
Irgendwie vergehen auch die nächsten 2 1/2 Stunden, hauptsächlich mit ruhelos-im-Haus-herumirren oder sinnlosem Sachen-von-da-nach-da-und-wieder-zurückstellen, ein paar kurzen Gesprächen mit meiner grinsenden Frau und auch mit meinem Sohn.
Er ist auch BVB-Fan, das ist ja auch wichtig, das der Vater das richtig macht.

Der trägt wenn das Spiel läuft einen Schlafanzug und schläft.
Hat der’s gut.
Keine T-Shirt-Qual-der-Wahl.
Kein Magengrummeln, welches sich bis nach dem Anpfiff trotz aktiver Bekämpfung durch kühles Bier fortsetzen wird.
Und Morgen keine Kopfschmerzen.

Aber ich *will* ja gucken, ich *will* das Spiel erleben und ich bin *sicher*, das ich das richtige T-Shirt anhabe.

Also los, Ortswechsel, jetzt Kneipe.
Ist die voll heute. Und es kommen minütlich mehr Leute, alle rein in die gute Stube.
„Hey Till, was tippste?“ – „Ich tippe nie“. Grumpf, eigentlich ja ein netter Typ, aber lass mich doch in Ruhe.
Ich will Eric Meijers Analysen sehen und so elementare Fragen wie
„Warum sind wir so gut im Chancenvergeben?“
„Warum ist Malaga so effektiv?“
beantwortet wissen. Gib’s mir Eric, ich hab ja eh das falsche T-Shirt an!

>>piep,piep<< eine SMS verkündet das Torsten wieder Stress hat, er schafft’s vielleicht nicht bis zum Anpfiff.
Auch das noch. Mein Freund und Stadionbegleiter, Leidensgenosse und der Einzige, der versteht, das ich schuld wäre, wenn’s heute schief gehen würde.
Wegen dem T-Shirt.
Wegen meiner T-Shirt-Wahl!

Eric malt wie wild irgendwelche Linien und Pfeile auf den überdimensionalen Bildschirm, Leute im Studio gucken zu, klatschen, ich steh im Gedrängel, ich mache hier Platz, mache da Platz.
Gedankenverloren.
Angespannt.

Die Kneipe droht zu platzen. Gut das heute Marco da ist. Immerhin das mit der Magenkühlung klappt gut und lückenlos. Und dann drängelt sich auch noch der Kneipen-Quoten-Blaue an mit vorbei an die Theke.
„Na Till, nervös?“
„Auf dich hab ich ja grade noch gewartet, willst du auch mal schönen Fußball sehen?“
Trottel.

Immerhin, gleich geht’s los.
Was für eine Choreo! Danke Süd! Das sieht ganz Europa!

Anpfiff.
Das Spiel ist schnell erzählt, Gegentor, das gefühlte erste Aus. Ausgleich, Euphorie, zum Glück ist Torsten doch kurz vor dem Anpfiff gekommmen.
Im Business Hemd!!!!
Egal. Wir liegen uns das erste mal heute Abend in den Armen.

Pause
Pinkeln, Gespräche, kurze Überlegungen, warum waren wir so gelähmt? Warum kam erst zum Ende der Halbzeit unser Spiel? Aber eines ist sicher, jetzt geht’s los, und mit dem T-Shirt können wir garnicht mehr verlieren!!!

Zweite Hälfte.
Chance Lewandowski, Schock bei Chance Malaga. Dann wieder mau, zäh, kaum Ideen, wenig Bewegung, wenige Chancen. und dann fangen die Spanier auch noch das Zeitmauern an.
Dann das Gegentor.
1-2.
Abseits, aber er gibt es.
„Abseits Schiri!“
„Abseits du blinde Nuß“. Die restlichen Titel, die der Schiri in diesem Moment erntet lasse ich mal weg. Dafür braucht man wenig Phantasie.
„Das war’s“ sagt Torsten. „Das war’s“ wiederhole ich wie in Trance und irgendwie kann ich es nicht ganz glauben.
Will es nicht glauben.
D-a-s–k-a-n-n–d-o-c-h–n-i-c-h–w-a-h-r–s-e-i-n!!!
Wir doch nicht!
Nicht so!

Nachspielzeit.
Tor Reus, 2-2.
Verhaltener Jubel, ein kurzer Gedanke, ‚jetzt fliegen wir ungeschlagen raus. Und sind damit die Deppen Europas.‘
Und das T-Shirt kommt in die letzte Ecke in den Kleiderschrank.
Flanke Lewandowski, weitergeleitet, dann Schuß, nein, geblockt, war es Reus? Götze?
Getümmel.
Tooooooor. Toooor. Tor. Tor. Tor. Tooooooooor, Feli-ipe  San-tana!

Die Kneipe schreit.
Minutenlang.
Ich auch.
Geht nicht vorbei.
Und ich merke wie mein Herz unter dem – richtigen – T-shirt wummert wie bekloppt und höre mich „und das in meinem
Alter“ schreien.

Abpfiff. Schluß.
Danke Borussia!

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Ein Kommentar zu “Berlin! Diesmal in Bonn.

  1. Ich als, jaaa klar bin ich Hertha Fan (seit 55 Jahren!!), habe schon immer mit dem BVB sympathisiert (Goldene Trikots im Pokal der Landesmeister). Ich wüsche daher dem BVB heute Abend ein geiles Spiel und natürlich den Pokal! Und Dir einen stimmungsvollen Abend. 😉
    LG MeinKochen aka Detlef

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